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Japan will radioaktives Kühlwasser aus der Atomruine Fuskushima im Pazifik entsorgen. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar hält das für bedenklich – sieht aber keine Alternative.

Noch immer werden die zerstörten Reaktoren gekühlt – mit rund 170 Tonnen Wasser täglich. Vor fast zehn Jahren kam es hier zur mehrfachen Kernschmelze – ausgelöst durch das schwere Erdbeben und den Tsunami am 11. März 2011. Der Super-Gau gilt als schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl.

Das Kühlwasser wird auf dem Kraftwerksgelände im Nordosten Japans gelagert – in mehr als 1.000 riesigen Tanks. Inzwischen wird der Platz knapp. Deshalb jetzt der Plan der japanischen Regierung, die verstrahlte Brühe ins Meer zu leiten. Ein Vorgang, den der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, bei seinem Besuch im Februar als "übliche Praxis" und "globalen Standards entsprechend" bezeichnete.

Wasser trotz Filterung belastet

So unproblematisch ist es aber nicht. Das hat der Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar im SWR gesagt: "Man hat dort große Anlagen gebaut, um das Wasser zu reinigen. Aber es gibt ein Element, Tritium, ein radioaktives Isotop des Wasserstoffs, das lässt sich nicht rausfischen." Im Klartext: Eine Rest-Radioaktivität bleibt übrig.

Ist das gefährlich? Yogeshwar, der vor einiger Zeit selbst in Fukushima war und sich die Anlage angesehen hat, meint: "Grundsätzlich ist Radioaktivität nie gut. Aber wenn man das ganze verdünnt, kommt es auf ein Niveau, wo es vertretbar ist." Bereits während der Katastrophe vor neuneinhalb Jahren sei durch den Wind ein Teil der Radioaktivität auf das Meer hinaus geblasen worden.

Atomarer Abfall ins Meer - "war früher ganz normal"

Yogeshwar weist auch darauf hin, dass es in früheren Jahren gang und gäbe war, radioaktiven Abfall im Meer zu versenken. "Da hat man eine Menge Sünden begangen. Wir reden hier über 40.000 Terabecquerel. Das sind gigantische Mengen, die im Atlantik, in der Arktis und im Pazifik versenkt wurden." Und zwar nicht nur durch die Japaner, sondern die USA, Russland, Großbritannien, ja sogar die Schweiz, die ihren radioaktiven Müll im Meer entsorgt hat.

Im Fall von Fukushima gibt es allerdings viele Fischer, die betroffen sind. Und die sind dagegen, kontaminiertes Wassers einfach ins Meer zu leiten. Auch Südkorea ist besorgt und hat den Import von Meeresfrüchten aus der Region verboten. "Ich habe mir das vor Ort angeschaut und muss fairerweise sagen, dass dort in Japan der Fisch ständig überwacht wird. Da wird gemessen, wie hoch ist die Dosis, wann darf man ihn freigeben und wann nicht."

Bevor das verstrahlte Wasser ins Meer geleitet wird, muss der Kraftwerksbetreiber Tepco noch die dafür nötigen Anlagen bauen. Außerdem legt zunächst die Atomaufsicht ihr Gutachten vor. Japanische Medien gehen davon aus, dass es also noch etwa zwei Jahre dauert. Das sei zwar keine schöne Lösung, räumt Rangar Yogeshwar ein, "aber pragmatisch gesehen muss man sich fragen: Was soll man sonst damit machen?"

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