Bitte warten...

Für Flixbus unwirtschaftlich Keine Rollis im Fernbus

Der Fernbusmarkt boomt. Auch Rollstuhlfahrer würden das gerne nutzen. Nur: Fernbusse mit Hublift und Rollstuhlplätzen sind noch eine Seltenheit. Das Gesetz ist da, aber die Umsetzung holpert.

Ein Hublift eines Busses ist in Aktion um einen Rollstuhlfahrer an Bord zu nehmen.

Ein Hublift macht es allen Beteiligten leichter

Das Gesetz schreibt vor, dass ab kommendem Jahr alle neu zugelassenen Fernbusse mindestens zwei Plätze für Rollstuhlfahrer haben müssen. Ab 2020 muss das in allen Fernbussen der Fall sein.

Die boomende Branche sieht sich dadurch benachteiligt. Denn der gesamte ÖPNV muss erst ab 2022 barrierefrei sein. Die Behindertenverbände bestehen aber auf dem Zeitplan. Die wirtschaftlichen Interessen der Fernbus-Betreiber stehen gegen die Interessen der Behinderten. Der Verkehrsausschuss des Bundestags hört zunächst in einer nicht-öffentlichen Sitzung Busbetreiber und Behindertenverbände an. Das Thema ist auf der politischen Agenda.

Meinfernbus/Flixbus: 14 Sitze raus für zwei Rollstuhlfahrer?

Eine Innenaufnahme im Bus vom Busunternehmen FlixBus

Flixbus von Innen: Wirklich kein Platz für Rollstuhl-Fahrer?

Unternehmen wie Postbus oder Berlin-Linien-Bus nehmen auf einigen wenigen Strecken schon Behinderte im Rollstuhl mit. Der mit Abstand größte Fernbusanbieter aber hinkt hinterher: Meinfernbus/Flixbus mit seinen 560 Bussen.

Unternehmenssprecher Florian Rabe sagt: "Wir wollen Behinderte mitnehmen." Der Transport von Rollstuhlfahrern sei aber eine Herausforderung - auch wirtschaftlich. Rabe rechnet vor, für die beiden vorgeschriebenen Rollstuhlplätze müssten bis zu 14 Sitze herausgeschraubt werden. Das wäre etwa ein Viertel der Plätze. Sie könnten nicht mehr verkauft werden.

Angeblich sind Rollstuhlfahrer zu zeitaufwändig

Florian Rabe sieht auch die Pünktlichkeit in Gefahr. Einen Rollstuhlfahrer in den Bus zu laden und mit Gurten zu sichern - das dauere eine Viertelstunde. Die Behindertenverbände haben für solche Rechenbeispiele kein Verständnis. Sie bekommen dabei Unterstützung von der Behinderten-Beauftragten der Bundesregierung, Verena Bentele.

Fernbusse müssen zwei Jahre früher barrierefrei sein

Ein Mann sitzt in einem Rollstuhl

Wir müssen leider draußen bleiben?

Der Verband der Busunternehmer sieht die Branche benachteiligt. Ab 2020 müssen alle Fernbusse barrierefrei sein. Andere Reisebusse oder auch die Stadtbusse aber erst 2022. Auch die Fernbusbetreiber hätten gerne mehr Zeit. Die Behinderten-Beauftragte Verena Bentele will sich darauf nicht einlassen: "Für mich ist es immer wieder ein Ärgernis und sehr schade, dass wir um Fristen feilschen müssen. Irgendwann muss es ja doch kommen."

Die Politik hat mal mehr, mal weniger Verständnis

Bei den Verkehrspolitikern der Großen Koalition gibt es unterschiedliche Meinungen. Bei der SPD heißt es, der Zeitplan stehe. Der CDU-Abgeordnete Michael Donth aus Reutlingen kann sich dagegen vorstellen, den Fernbusbetreibern mit einer Übergangslösung entgegenzukommen.

Der grüne Verkehrspolitiker Matthias Gastel aus dem Wahlkreis Nürtingen/Filder warnt die Große Koalition davor, nachzugeben. Gastel meint: "Die Fernbusbetreiber wollen nur Zeit schinden."

Haltestellen: Ebenso wenig barrierefrei

"DeinBus.de" gehört zu den Pionieren der Fernbusbranche

"DeinBus.de" gehört zu den Pionieren der Fernbusbranche

Die Politiker haben auf jeden Fall noch viel zu klären. Zum Beispiel: Wie kommen Rollstuhlfahrer nach dem Aussteigen weiter? Fristen für die behindertengerechte Umrüstung aller Fernbus-Haltestellen hat der Staat bisher nämlich nicht gesetzt.




Mathias Zahn, SWR Hauptstadtstudio Berlin; Online: Heidi Keller