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Französische und deutsche Polizisten kontrollieren schwer bewaffnet an der Grenze. Für Pascal Lechler ist das als begeisterter Europäer nur schwer erträglich.

Ich wohne in Frankreich und arbeite in Deutschland, weil ich immer dieses freie Europa leben wollte. Früher, vor Corona, hat allenfalls mein Navigationssystem angezeigt, dass ich am Rhein die Grenze überfahren habe. Heute ist die Grenze durch Polizisten mit Maschinengewehr auf beiden Seiten des Rheins wieder auf unwirkliche Art sichtbar geworden.

Polizei kontrolliert an der Grenze zu Frankreich (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Thomas Frey/dpa)
Polizei kontrolliert an der Grenze zu Frankreich picture alliance/Thomas Frey/dpa

In meinem Auto sieht es im Moment aus wie auf meinem Schreibtisch. Hier ein Schreiben mit Stempel meines Arbeitgebers für die französische Polizei. Ohne darf ich gar nicht vor die Tür. Zur Sicherheit noch ein Schreiben der Personalabteilung, dass ich auch wirklich beim SWR arbeite und unbedingt zur Arbeit muss. Dann noch ein drittes für den Grenzübertritt diesmal auf Deutsch.  

Seit heute wollen die Franzosen sogar noch ein weiteres für die Einreise nach Frankreich. Und ganz wichtig in diesen Tagen: Mein Pass. Der lag eigentlich über Jahre unbenutzt in einer Ablage zuhause. Dass ich mal all diesen Papierkram bräuchte, dass ich durch zwei Polizeikontrollen täglich durchmuss, um zur Arbeit zu kommen, das hätte ich mir nie vorstellen können. Freiheit war für mich gottgegeben. Unsichtbare Grenzen die Normalität. Ich bin von ganzem Herzen Europäer.

Das europäische Miteinander geht verloren

Der Austausch zwischen beiden Seiten ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Keine Franzosen mehr in den Thermen im Schwarzwald, keine Deutschen mehr in elsässischen Restaurants. Alles, was selbstverständlich war, dieses Hin und Her zwischen den Kulturen, es ist vorbei. Und das ist für mich als begeisterten Europäer fast unerträglich. Hoffentlich hat der ganze Spuk bald ein Ende!

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