Außenaufnahme eines Anlagenteils der MiRO Mineralölraffinerie Oberrhein. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck)

Boykott, Enteignung, Teilverstaatlichung

Ölembargo: Folgen für Deutschlands größte Raffinerie in Karlsruhe

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Seit dem Ukrainekrieg hat Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Öl bereits deutlich verringern können. Was bedeutet das für die größte deutsche Öl-Raffinerie MiRO?

Bei der Mineralölraffinerie Oberrhein, kurz "MiRO", in Karlsruhe hält die Deutschlandtochter von Rosneft, dem russischen Mineralölkonzern, zwar 24 Prozent der Raffinerie - aber anderen Partnern gehören mehr Anteile: Der US-amerikanische Öl-Gigant Esso besitzt 25 Prozent, der englisch-niederländische Konzern Shell 32,25 Prozent, und das US-amerikanische Unternehmen Philips 66 hält 19,75 Prozent.

Nur 14 Prozent des Öls für MiRO in Karlsruhe kommt aus Russland

In Karlsruhe kommt nur verhältnismäßig wenig russisches Öl an, im vergangenen Jahr betrug der Anteil 14 Prozent. Das ist eine vergleichsweise geringe Abhängigkeit von Russland - dementsprechend entspannt gibt sich die MiRO bisher nach außen.

Öl-Pipeline aus Norditalien

Die MiRO ist an die Pipeline TAL angeschlossen, die im norditalienischen Triest beginnt. Auch deshalb halten Experten die Abhängigkeit der Karlsruher Raffinerie vom russischen Öl für relativ gering. In einem Konsortialvertrag sind auch Krisensituationen und Ausfälle geregelt. Der Vertrag ist nicht-öffentlich.

Problemfall: Rosneft-Raffinerie in Brandenburg

Ganz anders ist die Lage in Schwedt in Brandenburg. Auch dort ist eine wichtige deutsche Raffinerie - sie versorgt große Teile Ostdeutschlands, 1.300 Tankstellen zum Beispiel. Schwedt gehört dem russischen Konzern Rosneft. Hier kommt alles Öl direkt aus Russland an, per Pipeline. Also eine völlig andere Situation - deshalb gibt auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) offen zu: Hier kann es rumpelig werden, für Schwedt gibt es noch keine Lösung.

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Teilverstaatlichung von Konzernen oder Raffinerien?

Um die Versorgung mit Raffinerieprodukten und Gas angesichts des Ukraine-Kriegs in Deutschland sicherzustellen, erwägt die Bundesregierung wohl die Teilverstaatlichung systemrelevanter Töchter russischer Energiekonzerne. Konkret geht es dabei um Rosneft Deutschland und um Gazprom Germania, die große Gasspeicher betreibt.

Die Raffinerie in Schwedt könnte verstaatlicht oder zumindest unter Aufsicht des Bundes gestellt werden. Die Entscheidung darüber, welches Öl verarbeitet wird, läge dann nicht mehr in russischer Hand.

Rohöl in unterschiedlichen Qualitätsklassen

Dort, wo bisher nur eine Sorte Rohöl verarbeitet wurde, ist ein Wechsel der Marke besonders schwierig. Denn nicht jede Raffinerie kann jede Sorte Öl verarbeiten, es gibt sehr große Qualitätsunterschiede. Allein Russland bietet fünf verschiedene Rohölvarianten an, von ganz unterschiedlicher Dichte und Qualität. Um eine Raffinerie auf eine neue Sorte einzustellen, muss sie komplett heruntergefahren werden. Das dauert, ist teuer und sehr aufwändig.

Öl-Verträge laufen kürzer als Gas-Verträge

Grundsätzlich laufen viele Öl-Verträge kürzer als Gasverträge. Das hat damit zu tun, dass Erdgas ausschließlich per Pipeline transportiert wird. Wenn eine neue Pipeline gebaut wird, schließen die Partner gleich einen entsprechend langfristigen Liefervertrag. Dabei geht es um Jahrzehnte. Öl kann auch anders transportiert werden - mit Schiffen oder Lastern.

Rohöl kann kurzfristig an Terminmärkten eingekauft werden

Rohöl kann relativ kurzfristig eingekauft werden, an den sogenannten Spot- oder Terminmärkten. Sie machen schätzungsweise rund 40 Prozent des weltweiten Ölhandels aus. Da können Abnehmer es einfach unterlassen, Öl aus Russland zu kaufen.

Trotzdem gibt es noch laufende Lieferverträge für Erdöl, die nicht einfach gekündigt werden können. Der französische Konzern Total, der auch eine der größten deutschen Raffinerien betreibt - in Leuna in Sachsen-Anhalt - sagt: Ende des Jahres laufen dort die Verträge mit Russland aus, und dann werden sie nicht verlängert.

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