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Hunderte Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina mussten die Weihnachtstage bei Schneefall unter freiem Himmel verbringen. Ihr provisorisches Lager war zuvor geschlossen worden.

Mit Decken, Schlafsäcken und kaputten Zelten versuchen sich die mehr als 1.000 Migranten in Lipa im Nordwesten des Landes vor der Kälte zu schützen. Das Bosnische Rote Kreuz versorgt die Gestrandeten mit Wasser und Lebensmitteln.

"Es ist Schnee gefallen, Temperaturen unter Null, keine Heizung, nichts", twitterte der Chef der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Bosnien, Peter Van der Auweraert, am Samstag und sprach von einer humanitären Katastrophe. "So sollte niemand leben müssen." Jetzt sei politische Tapferkeit gefragt. Es müsse etwas geschehen.

The humanitarian disaster in #BiH #Bihac continues: pictures from former camp “Lipa” now. Snow has fallen, sub-zero temperatures, no heating, nothing. This is not how anyone should live. We need political bravery and action now. @UNmigration @UN_BiH https://t.co/i1fHgqvWhJ

Feuer brach bei Räumung des Camps aus

Einen Tag vor Weihnachten war die überfüllte und umstrittene Flüchtlingsunterkunft in der Nähe der kroatischen Grenze geräumt worden. Hintergrund ist ein Streit mit der bosnischen Regierung, bei dem es nicht gelungen war eine winterfeste Lösung für das Camp zu finden, das weder an Strom noch Wasserversorgung angeschlossen war.

Während der Räumung waren Feuer ausgebrochen und hatten die Unterkünfte zerstört. Eine alternative Unterbringung für die Migranten gab es nicht. Auf die Pläne ein bereits geschlossenes Lager im Zentrum der nahe gelegenen Stadt Bihac vorübergehend zu öffnen, reagierten die Anwohner mit Protesten.

Mit Badeschuhen im Schnee

Einige der Migranten zogen sich in die umliegenden Wälder zurück oder versuchten über die Grenze nach Kroatien zu kommen, vermutet die Flüchtlingsorganisation IOM. "Selbst Tiere leben besser als wir", sagte ein Geflüchteter aus Pakistan. "Wenn sie uns nicht helfen, werden wir sterben." Viele Migranten trugen trotz des Winterwetters nur Badeschuhe ohne Strümpfe.

Internationale Kritik schon vor Brand im Lager

Internationale Organisationen und Helfer hatten die Zustände in Lipa schon kritisiert, bevor dort in dieser Woche ein Feuer ausgebrochen war. Die EU hatte die Regierungen der Landesteile Bosnien-Herzegowinas gedrängt, ihre Streitigkeiten zu beenden, damit nicht tausende Menschen bei Winterwetter ohne Obdach sind.

Bosnien ist zum Nadelöhr für tausende Migranten geworden, die nach Westeuropa weiterziehen und zunächst einmal das EU-Land Kroatien erreichen wollen.

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