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Finanztest: Private Krankenversicherung Eine Entscheidung fürs Leben

Das Leben als Privatpatient: Kostenerstattung auch für rezeptfreie Medikamente, hohe Zuzahlung bei Zahnersatz, Ruck-Zuck-Termin beim Facharzt, Chefarzt-Behandlung und mehr Privatsphäre im Krankenhaus. Klingt toll - kostet aber auch. Für wen macht die private Krankenversicherung Sinn?

Krankenkasse Versichertenkarte, Geldscheine und Medikamente

Eine Grundsatzentscheidung mit Folgen, die kaum mehr zu ändern ist

"Finanztest" hat 32 Versicherer getestet: Die Leistungen der Privaten sind seit der letzten Studie von Stiftung Warentest vor acht Jahren deutlich besser geworden. Zum Beispiel im Bereich der Psychotherapien oder bei Hilfsmitteln wie Hörgeräten. In vielen privaten Verträgen sind heutzutage auch Leistungen für die häusliche Krankenpflege, ambulante Kuren oder stationäre Reha-Maßnahmen enthalten – jahrelang war das ein Pfund allein der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Kosten für Private Krankenversicherungen drastisch gestiegen

Ärztin misst den Blutdruck eines Patienten

Kranksein ist für Männer deutlich teurer geworden

Die Beiträge sind in den letzten acht Jahren drastisch angestiegen. Im Schnitt zahlen Frauen laut Finanztest bis zu 20 Prozent, Männer dagegen rund 65 Prozent mehr als früher. Das liegt unter anderem daran, dass es nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs seit Ende 2012 nur noch sogenannte Unisex-Tarife geben darf. Früher hingegen zahlte ein junger gesunder Mann weit weniger als eine junge gesunde Frau - weil für sie statistisch gesehen höhere Krankheitskosten anfallen und sie älter wird.

Die derzeit niedrigen Zinsen machen es den Anbietern zusätzlich immer schwerer, sogenannte Altersrückstellungen für ihre Versicherten aufzubauen.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Doppelter Beitrag für gleiche Leistung

Laut Finanztest ergab sich bei 107 getesteten Tarifen lediglich bei fünf Angeboten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. 29 bekamen ein "Gut", acht hingegen ein "Mangelhaft". Und Achtung: Ein hoher Beitrag bedeutet nicht automatisch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Finanztest errechnete, dass man bei manchen Versicherern fast das Doppelte für die gleiche Leistung zahlen muss.

Nur für Vermögende: Die Beiträge der Privaten im Alter

Außerdem weisen die Tester darauf hin, dass sich die Höhe der Beiträge im Laufe eines Lebens verdreifachen könne. Sie raten deshalb, auf jeden Fall zusätzlich für die Gesundheitskosten im Alter etwas anzusparen - Finanztest geht von einer sechsstelligen Summe aus, die Angestellte und Selbstständige fürs Alter zusätzlich brauchen, um sich die Beiträge als Privatpatient auch im Ruhestand leisten zu können.

Fazit:

"Es lohnt sich, wenn man die Leistung haben will - es lohnt sich nicht aus wirtschaftlichen Gründen", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest.

  • War früher der Spareffekt gerade für junge Männer ein Anreiz, um zu den Privaten zu wechseln, fällt dieser Aspekt heutzutage weg.
  • Finanztest empfiehlt private Krankenkassen uneingeschränkt nur noch Beamten, weil die von ihrem Dienstherren nach wie vor Beihilfen für die Gesundheitskosten bekommen.
  • Selbstständige und Angestellte sollten sich laut Finanztest nur dann privat versichern, wenn sie vermögend sind oder für das Alter zusätzlich Geld ansparen können.

Weil auch Ehepartner und Kinder bei Privaten extra versichert werden müssen und man ab 55 Jahren nicht mehr ins gesetzliche Krankenversicherungssystem zurückwechseln kann, rät Stiftung Warentest vor allem eines: Sich diese Entscheidung fürs Leben ganz genau zu überlegen.