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Frühjahrskur Fasten kann gefährlich sein

Für viele Menschen hat die Fastenzeit begonnen. Manche verzichten auf Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten – einige fasten auch komplett, hören für ein paar Tage oder sogar Wochen ganz auf zu essen. Fastenkliniken bieten dazu eigene Kurprogramme an und werben damit, dass Fasten schlank und gesund macht. Viele Mediziner sehen das aber anders und warnen vor den Risiken.


Gespräch mit Ulrike Till, SWR Wissenschaftsredaktion

Was kann schief gehen beim Fasten?

Da kann tatsächlich eine ganze Menge schief gehen, das machen die meisten sich nicht klar. Denn wenn wir aufhören zu essen, ist das für unseren Körper ein Alarmsignal – er schaltet um auf den sogenannten Hungerstoffwechsel: Dabei sinkt der Blutdruck, das kann zu Kreislaufproblemen bis hin zur Ohnmacht führen.

Auch für das Herz ist eine Nulldiät Dauerstress. Denn am Anfang baut der Körper vor allem Eiweiß, also Muskelmasse ab - das betrifft eben auch den Herzmuskel. Wenn man nur ein paar Tage fastet, lässt sich das wieder ausgleichen; bei langem Fasten aber ist das Risiko erheblich. Deshalb bekommen die Patienten in einigen Fastenkliniken auch Molke oder spezielle Eiweißmischungen zu trinken - das ist deutlich verträglicher. Trotzdem kann Fasten bei anfälligen Menschen zu Nierensteinen führen oder auch einen Gichtanfall auslösen.

Es gibt Menschen, die aufs Fasten schwören und sich hinterher wunderbar entschlackt fühlen. Ist das Einbildung?

Montage: Fangfrische Doraden; Brombeer-Rispe; Walnüsse

Das A und O: Eine ausgewogene Ernährung

Dass man sich nach längerem Fasten besonders beschwingt fühlt, ist kein Wunder – wenn die ersten Hungertage geschafft sind, kommen nämlich körpereigene Glückshormone ins Spiel. Das kann tatsächlich einen richtigen Energieschub auslösen. Mit Entschlackung hat das aber nichts zu tun – die gefürchteten Schlacken gibt es nämlich gar nicht, das ist ein besonders hartnäckiger Mythos.

Unverdauliches und Schadstoffe scheiden wir über Darm und Niere aus. Da bleiben keine giftigen Ablagerungen im Körper, die man mit Detox-Tees und Abführmitteln ausschwemmen müsste. Grundsätzlich sollten Schwangere, Kinder, kranke und sehr schlanke Menschen gar nicht fasten. Auch Gesunde mit Übergewicht fasten am besten nur unter ärztlicher Aufsicht.

Wie sieht es mit Fasten als Diätprogramm aus - um schnell überflüssige Pfunde loszuwerden?

Wer fastet, nimmt wirklich rasant schnell ab - bis zu 400 Gramm am Tag. Das klingt für Übergewichtige natürlich verlockend. Aber leider hat man die verlorenen Kilos danach meist ganz schnell wieder auf den Hüften und noch ein paar Extrapfunde obendrauf: Fasten fördert den Jojo-Effekt, weil der Körper nur darauf lauert, wieder neue Energiespeicher anzulegen. Deshalb wiegt man einige Zeit nach dem Fasten meistens mehr als vorher.

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, statt radikaler Nulldiäten besser dauerhaft die Essgewohnheiten zu ändern und sich außerdem mehr zu bewegen. Klingt anstrengend und altbekannt - aber nur so lässt sich die Traumfigur auf lange Sicht halten.


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Start der Fastenzeit

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Mit dem Aschermittwoch endet die Zeit der Narren, der Jecken und der Schwellköpp - die Fastenzeit nach Lehre der westlichen Christenheit beginnt. In den reformatorischen Kirchen spricht man von Passionszeit. Christen nutzen die Tage des Fastens als Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung Christi.

Mit dem Aschermittwoch endet die Zeit der Narren, der Jecken und der Schwellköpp - die Fastenzeit nach Lehre der westlichen Christenheit beginnt. In den reformatorischen Kirchen spricht man von Passionszeit. Christen nutzen die Tage des Fastens als Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung Christi.

Im frühen Mittelalter markierte der Aschermittwoch den Beginn der öffentlichen Kirchenbuße. Die Büßer legten das Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut. Übrig blieb der Ritus, sich Asche aufs Haupt zu streuen. Die Katholiken bekommen an Aschermittwoch vom Priester ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet, das an die Vergänglichkeit erinnern soll.

Der Verzicht auf feste Nahrung während der Fastenzeit soll Körper und Seele reinigen und einen Zustand innerer Ruhe herbeiführen. Viele Menschen fasten nicht aus religiösen Motiven. Fasten als eines der ältesten Naturheilverfahren ist in der vom Überfluss gekennzeichneten westlichen Gesellschaft inzwischen ein Dauertrend.

Die Enthaltsamkeit hat fast immer den positiven Nebeneffekt, dass der Fastende gesünder lebt, etwa durch den Verzicht auf Nikotin oder Alkohol.

"Heilsam in Bewegung kommen" lautete das Motto einer der jüngeren Varianten des Fastens. Ende der 1990er warben die Kirchen dafür, das Auto stehen zu lassen.

Eine aktuelle Herausforderung im digitalen Zeitalter der ständigen Erreichbarkeit: Das Fasten gegen den Kommunikationszwang.

Auch für die klassischen Arten der Enthaltsamkeit gilt: Das Durchhalten erfordert viel Selbstdisziplin. Zu allgegenwärtig sind die Versuchungen.

Leicht fiel das Fasten schon früher nicht. In mittelalterlichen Klöstern gab es bis zu 130 Fastentage im Jahr. Nicht alle Mönche waren dem gewachsen - und Not macht bekanntlich erfinderisch. Fisch war als Fastenspeise erlaubt - dann aber kamen auch Austern und Flusskrebse auf den Tisch. Mancher Abt erklärte sogar Geflügel, Biber und Otter zu Fischen. Mönche erfanden auch die mit püriertem Fleisch gefüllten Maultaschen und die Mortadella - das Fleisch als solches war so nicht direkt zu erkennen.

Egal, ob religiös motiviert oder nicht: Wenn's zu schwer fällt mit dem Fasten, einfach mal ein Nickerchen machen. Denn wer schläft, der sündigt nicht. Es muss ja nicht gleich ein Winterschlaf sein.

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