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Falschmeldungen über Flüchtlinge Lügen, Hass und Vorurteile im Netz

Egal wie absurd die Meldungen auch klingen, leider schaffen sie es immer wieder, im Internet ihre Kreise zu ziehen: Falschmeldungen über Flüchtlinge, gezielt gestreut von Menschen, die Hass und Hetze verbreiten wollen. Die neueste Falschmeldung kommt aus Leipzig, Flüchtlinge hätten hier einen Einkaufsmarkt geplündert. Völlig absurd, sagt die Polizei - und sagt auch Andre Wolf von Mimikama, der Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch.

Flüchtlinge gehen auf dem Flughafenbahnhof in Köln (Nordrhein-Westfalen) über den Bahnsteig

Die Macht der Bilder ist groß, auch mit ihnen lassen sich Botschaften übermitteln, etwa darüber, wie mit dem Flüchtlingszustrom umgegangen wird


Herr Wolf, sieht so ein typischer Fake aus, der Flüchtlingen kriminelles Verhalten andichtet?

In der Tat ist das einer von vielen Fällen, die man so liest, dass Flüchtlinge kriminelle Handlungen begehen. Es gibt häufig dort keine Nachweise dafür. Man findet keine Quellen, man findet bei der Polizei keine Meldungen, sondern sie entstehen in den sozialen Netzwerken und werden auch dort verteilt.

Das Beispiel aus Leipzig, das ist die neueste Falschmeldung. Was sind denn andere typische Falschmeldungen, die Ihnen schon untergekommen sind?

Es fängt an mit diesen Meldungen über Vermüllung, welche Flüchtlinge hinterlassen. Es gibt dann auch diese falschen Fotos. Was uns untergekommen ist, von einer Mülldeponie aus Ungarn aus 2012, wo gesagt wurde, schaut her, das haben Flüchtlinge auf ihrer Flucht hinterlassen. Andere Meldungen, die gerne genutzt werden, sind Krankheitsmeldungen. Also die große Angst wird bedient, dass Flüchtlinge schwere Krankheiten einschleppen. Das gab es schon letztes Jahr, dass es hieß, Ebola würde nach Deutschland eingeschleppt werden. Im Moment sind es Fälle von Tuberkulose, die sich teilweise auch bestätigt haben wie in Erfurt. Aber auch die dramatisierte Darstellung eines Lepra-Falles aus Salzburg, wo dann gleich mit Bildern durch das Netz gegangen wurde, von Menschen, die starken Ausschlag hatten, wo dann dieser Lepra-Fall damit beschrieben wurde.

Ein Notarzteinsatzfahrzeug

Stark dramatisierte Meldungen, etwa über Polizei- oder Notarzteinsätze in Flüchtlingsheimen, können Ressentiments und Vorurteile wecken - und sollen dies wohl zum Teil auch tun

Woran erkenne ich denn so eine Falschmeldung?

Diese stark dramatisierten Meldungen erkennt man daran, dass dieser feindliche Unterton dabei ist. Dieses "schaut her, wir haben's ja immer gewusst und sie sind ja alle böse und schlecht". Da muss man sofort auch gleich schauen, was steckt dahinter. Man sollte sich immer den Kern ankucken, man sollte suchen, wo stammt diese Meldung her und was steht dort ursprünglich drin, also ein wenig Quellenanalyse betreiben. Man sollte schauen, wer schreibt das und mit welchem Ziel schreibt jemand das und was steckt genau dahinter.

Wie gehen Sie denn vor mit Ihrem Team, wenn Sie solch eine Meldung entdecken?

Wir verhalten uns genau nach dem Muster. Wir nehmen eine Meldung, schauen, was ist da passiert, wo stammt sie her, wer hat das geschrieben, und setzen uns dann nach Möglichkeit immer mit den örtlichen Behörden in Kontakt. Also wir versuchen Polizei anzuschreiben, wir versuchen die Ämter oder die Menschen, die dort vor Ort handeln, anzuschreiben und bitten um Stellungnahme und schauen dann, was stimmt da wirklich. Oftmals kommt dann eine Information rüber, wo wir sagen können, das ist wirklich vorgefallen. Dann können wir aber auch sagen, jenes wurde dramatisiert. Und da muss man dann auch vorsichtig sein, was man selber auf facebook weiterträgt.

Zahlreiche bunte Filzstifte rahmen das Logo in der Facebook-Europazentrale in Dublin ein

Das Netz ist bunt, und auch die Kommentare in Sozialen Medien, wie etwa Facebook, bilden ein breites Meinungsspektrum ab. Der Verein Mimikama versucht allerdings Internetbetrüger und Hetzer zu entlarven.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum es solche Meldungen schaffen, so weite Kreise zu ziehen, nicht nur in einschlägigen Gruppen, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft?

Ich selbst bin der der Überzeugung, diese Meldungen bedienen eine gewisse Grundangst, die vorhanden ist. Eine gewisse Angst bei vielen Menschen vor dem Fremden, vor dem Neuen, und eine gewisse Erwartungshaltung, dass ja etwas Schlimmes passieren muss.

Was kann ich denn persönlich dagegen tun?

Wir raten immer, dass man selbst auch ein wenig aufmerksam wird und ein wenig recherchiert. Also wenn eine Meldung nur auf facebook oder nur auf youtube zu finden ist, dann raten wir immer, davon Abstand zu nehmen, diese Meldung weiter zu verteilen.


Das Gespräch mit Andre Wolf vom Verein Minikama führte SWR-Redakteurin Tina Joyeux.

Online: Lutz Heyser, Heidemarie Martin & Christine Trück