Vor der Universitätsbibliothel in Freiburg fahren mehrere Fahrradfahrer mit sommerlicher Kleidung vorbei (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Erleichterungen für alle?!

Tankrabatt und 9-Euro-Ticket: Und was ist mit Fahrradfahren?

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Manche fahren mit dem Auto zur Arbeit, manche mit dem Zug und manche mit dem Fahrrad. Für zwei von drei Gruppen hat der Bund Entlastungen beschlossen. Ist das unfair?

Wenn man auf die Entlastungspakete schaut, die jüngst von der Bundesregierung beschlossen wurden, dann fallen vor allem zwei Dinge in den Fokus: der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket. Diese Aspekte beschäftigen die Öffentlichkeit gerade sehr. Dabei kommt einem unter Umständen auch der Gedanke: "Moment mal, der Tankrabatt hilft den Autofahrern, das 9-Euro-Ticket hilft denen, die den Öffentlichen Verkehr nutzen. Aber gibt’s eigentlich auch was für die Fahrradfahrer? – Nein."

Sind die Entlastungspakete unfair?

SWR Aktuell hat sich mit der Frage "Hat die Bundesregierung die Fahrradfahrer einfach vergessen und sind die Entlastungspakete deswegen unfair?" an Experten für den Fahrradverkehr gewendet und mal nachgefragt. Die kurze Antwort lautet: Nein. Man mag jetzt vielleicht überrascht sein, aber die Experten haben dies nachvollziehbar erläutert.

RLP/BW

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„DEN Radfahrer gibt es kaum“

Bastian Chlond vom Institut für Verkehrswesen am Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, misst das Verhalten von Verkehrsteilnehmern immer über eine Woche hinweg. Er sagt, dabei sei klar zu erkennen: "DEN Radfahrer oder DIE Radfahrerin gibt es eigentlich so gut wie nicht, zumindest nicht mehr. Das Fahrrad wird fast immer in Kombination mit anderen Verkehrsmitteln eingesetzt." Laut Chlond fahren Menschen die mit dem Fahrrad unterwegs sind, auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und auch mit dem Auto. Hintergrund sei, dass das Fahrrad super gut im Nahbereich sei, man aber eben nicht alles damit erledigen könne.

Radfahren ist schon eine kostengünstige Variante

Chlond gibt zu, dass das 9-Euro-Ticket keine totale Kompensation für die Radpendler sei, es zähle aber durchaus zu begrüßenswerten Angeboten. Letztlich stehe die Kompensation für Radfahrer jedoch nicht so im Vordergrund. Als Pendler müssten sie eine weniger weite Strecke zurücklegen und hätten damit ohnehin die Chance, eine kostengünstigere Variante zu wählen als beispielsweise Berufspendler auf dem Land, die ihren Pkw bräuchten.

„Fahrradfahrer sind glückliche Menschen“

Ganz ähnlich zu Chlond schätzt auch die Landesvorsitzende des Allgemeinen Fahrradclubs (ADFC) in Baden-Württemberg, Gudrun Zühlke, die Situation rund um die Entlastungen ein. "Die Menschen, die ihr komplettes Leben ausschließlich mit dem Fahrrad gestalten, sind ohnehin rundum glückliche Menschen. Die haben das große Los gezogen: Die müssen weder im Stau stehen noch auf den ÖPNV warten", so Zühlke. Das seien aber wirklich ganz wenige Leute.

Deshalb könnten Fahrradfahrer auch längerfristig vom 9-Euro-Ticket profitieren

Selbst wenn die Radfahrer das 9-Euro-Ticket selbst aktuell gar nicht nutzen oder durch die vollen Züge eingeschränkt würden, wäre es denkbar, dass sie in Zukunft dennoch davon profitieren könnten, sagt Zühlke. "Für den Fall, dass die Politiker nun wirklich kapieren, dass man den Bahnausbau ganz stark forcieren müsste, nachdem jetzt die 9-Euro-Tickets so durchgeschlagen haben, dann hätte sich das auch für die Radfahrer gelohnt, jetzt drei Monate weitgehend auf die Fahrradmitnahme zu verzichten."

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Was ist denn aber mit Anreizen für einen Wechsel aufs Rad?

Das 9-Euro-Ticket sollte, laut Bund, nicht nur Entlastung bringen, sondern auch einen Anreiz schaffen, wieder mehr die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Wäre da nicht auch denkbar, eine solchen Anreiz für das Rad zu setzen? Dazu sagt Verkehrsforscher Chlond: "Systembedingt ist ab bestimmten Strecken mit dem Rad dann auch Schluss." Am Tag würden Menschen im Mittel 60 bis 80 Minuten im Straßenverkehr verbringen. Dieser Zeitraum nenne sich Reisezeitbudget und habe sich interkulturell herauskristallisiert. Mit dem E-Bike täglich 20 km zu pendeln, sei denkbar. Man sei aber so lange unterwegs, dass die 60 bis 80 Minuten überschritten würden. Dadurch sei diese Art der Fortbewegung dann nicht mehr realistisch. Deshalb und weil die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer ohnehin sogenannte Mischnutzer seien, wären Anreize für einen Wechsel aufs Rad nicht so gewinnbringend, wie man auf den ersten Blick meinen könnte, sagt der Verkehrsforscher.

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