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Die Organisatoren der Kampagne #StopHateForProfit sind noch nicht mit den Facebook-Maßnahmen gegen Hass und Hetze im Internet zufrieden. Trotzdem setzen in Deutschland nicht alle Firmen den Boykott fort.

Nach dem Facebook-Werbeboykott im Juli will der Softwarekonzern SAP auch im August keine Anzeigen auf den Portalen des Medienkonzerns schalten. Die Walldorfer IT-Spezialisten begründeten die Verlängerung damit, dass Facebook immer noch nicht genügend gegen Hassnachrichten und Diskriminierung tue. Auf SWR-Nachfrage bestätigte auch Henkel, dass man die Werbeaktivitäten Anfang August nicht automatisch wieder aufnehme. Man werde die Entwicklungen prüfen und beobachten.

Puma will wieder bei Facebook werben

Deutlich zufriedener mit den von Facebook versprochenen Maßnahmen zeigt sich hingegen der Sportartikelhersteller Puma. Die Franken sprechen von einem direkten Austausch und positiven Gesprächen mit Facebook. Diese wolle man fortsetzen und parallel ab dem 1. August wieder Werbung schalten. Zudem prüfen weitere deutsche Unternehmen ein Ende des Anzeigenverzichts.

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#StopHateForProfit

Der Auslöser des Boykotts war eine Initiative von internationalen Bürgerrechtsorganisationen mit Namen #StopHateForProfit Mitte Juni. Sie werfen Facebook vor, aus Profitgründen bei Hassnachrichten wegzuschauen, und forderten Unternehmen auf, Druck auszuüben. Weltweit folgten zahlreiche große Namen wie beispielsweise Coca-Cola und Unilever dem Aufruf.

In Deutschland haben sich mit Adidas, Siemens, Bayer oder auch Volkswagen ebenfalls namhafte Unternehmen daran beteiligt. In den meisten Fällen galt die Entscheidung aber vorerst nur für den Juli. Deshalb prüfen die meisten Firmen momentan das weitere Vorgehen.

Werbeboykott trifft Facebook nicht wirklich

Über die Auswirkungen des Boykotts gibt es derweil unterschiedliche Meinungen – zum Beispiel bei den wirtschaftlichen Folgen. Zwar gab Facebook-Chef Mark Zuckerberg spürbare Einbußen zu, aber der größte Teil des Geschäfts käme von vielen kleinen Unternehmen. Zudem werfen Kritiker den über 1.100 Werbetreibenden vor, sich mit dem Boykott profilieren zu wollen und keinen echten Dialog anzustreben. Durch die bröckelnde Front gegen den US-Konzern sehen sie sich jetzt darin bestätigt.

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