Emmanuel Macron spricht in Paris beim Christchurch-Gipfel (Foto: Reuters)

"Christchurch-Gipfel" in Paris Facebook will Nutzer bei Terror-Propaganda sperren

Nutzer die auf Facebook Terror-Propaganda verbreiten, sollen gesperrt werden. Das ist eine Konsequenz aus dem Live-Video vom Terroranschlag in Christchurch. Experten sind skeptisch.

Facebook will Nutzer sperren, wenn sie beispielsweise Mitteilungen einer Terrorgruppe ohne Kontext teilen. Das gab der Konzern vor dem "Christchurch-Gipfel" in Paris bekannt.

Für professionelle Terroristen hätten solche Sanktionen aber keine abschreckende Wirkung, gibt Tomas Rudl, Redakteur bei netzpolitik.org zu bedenken. "Das wird möglicherweise nur verwirrte Einzeltäter abhalten können."

Facebook-Chef Mark Zuckerberg winkt. Neben ihm sind eine EU-Fahne und eine Frankreich-Fahne zu sehen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / ZUMAPRESS.com)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf dem "Christchurch-Gipfel" in Paris picture alliance / ZUMAPRESS.com

Uploadfilter sind einfach zu umgehen

Für den Social Media-Kenner sind die unzureichenden technischen Voraussetzungen im Netz das Hauptproblem, um die Verbreitung von Hass und Gewalt in den Sozialen Netzwerken zu unterbinden. Upload-Filter zum Erkennen von terroristischen Inhalten im Internet ließen sich auch weiterhin sehr einfach umgehen. "Eine langfristige Lösung bleibt bis auf Weiteres aus."

EU will gegen Hass und Gewalt im Netz per Gesetz vorgehen

Der "Christchurch-Gipfel" in Paris, an dem Staats- und Regierungschefs sowie Facebook, Twitter, Google und Microsoft teilnehmen, will ein Zeichen gegen die Verrohung auf Social Media setzen. Tomas Rudl lobt, dass die Europäische Union die rechtlichen Rahmenbedingungen verschärfen will. Seine Begründung hören Sie hier im Audio:

Verrohung in Sozialen Netzwerken ist ein soziales Problem

Gesetze auf internationaler Ebene und Selbstverpflichtungen der Konzerne können Hass und Gewalt im Internet eindämmen, ist der Social Media-Experte überzeugt. Ein gewisses Grundrisiko bleibe aber erhalten. "Man muss davon ausgehen, dass es sich um soziale Probleme handelt, die sich nur sehr schwer mit technischen Lösungen beheben lassen."

Wie viele Freiheitsrechte wollen wir einschränken?

Letztendlich müsse sich die Gesellschaft gerade auch vor dem Hintergrund der Anschläge auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch fragen, wie weit man gehen wolle: "Wie viele Freiheitsrechte wollen wir legitimerweise einschränken? Wie hoch fallen die Kollateralschäden aus?" Es müssten Antworten gefunden werden, ob man das Recht auf freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Informationsgewinnung beschneidet.

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