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Extreme Wetterlagen Wer hat Schuld am Hochwasser?

Sintflutartige Regenfälle, überschwemmte Straßen, geflutete Keller und Häuser: Der Mensch hat seinen gehörigen Anteil an diesen Naturkatastrophen.

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So sah es in Braunsbach unmittelbar nach dem Unwetter mit Hochwasser aus

So sah es in Braunsbach unmittelbar nach dem Unwetter mit Hochwasser aus

Land unter auch in Schwäbisch Gmünd: An Autofahren war vielerorts nicht zu denken.

Hochwasser in Platten an der Lieser

Die Mitarbeiter des THW arbeiten mit Hochdruck daran, die Ufer der Lieser zu sichern

Luftbild vom 2. Juni vom bayrischen Simmbach am Inn.

In vielen Teilen Deutschlands, wie hier in Hamburg, hatte die Feuerwehr alle Hände voll zu tun.

Hochwasser sind nicht selten: 2013 brach der Elbdamm bei Fischbach in Sachsen-Anhalt. Damals wurden die Kommunen aufgefordert, mehr für den Hochwasserschutz zu tun.

Im sächsischen Neuwürschnitz soll ein großes Hochwasser-Rückhaltebecken helfen.

Von SWR-Umweltredakteur Werner Eckert

Am Anfang ist der Regen, die sintflutartigen Niederschläge. So viel kann kein Boden aufnehmen, auch ohne jedes menschliche Zutun wird daraus Flut und Hochwasser. Der Simbach am Inn hat normalerweise einen Kubikmeter Wasser pro Sekunde, am Mittwoch waren es 70. Der Kocher in der Nähe von Braunsbach ging in der Nacht zum Montag von 17 auf 370 Kubikmeter.

Es geht da nicht um Schuld, aber trotzdem beeinflussen wir solche Ereignisse praktisch immer. Ein Beispiel: Am Orlacher Bach in Braunsbach ist zwar im Taleinschnitt direkt Wald, aber 100 Meter weiter beginnen die Äcker. Und Studien zeigen, dass Waldboden und naturnaher Laub-Wald der optimale Schwamm ist, um die Wogen aufzusaugen. So etwa 50 mm Niederschlag pro Stunde stecken die weg. Da läuft auch unter ungünstigen Bedingungen nichts raus.

Die schlimmsten Hochwasser gab es im Mittelalter

Rhein-Hochwasserschutz

Der Rheindamm bei Schwanau-Nonnenweier im Ortenaukreis.

Ackerböden sind nur zweite Wahl beim Hochwasserschutz. Gerade der fruchtbare Löss macht schnell zu und nimmt nur 5 mm pro Stunde auf. Historiker sagen: Die schlimmsten Hochwasser gab es, als im Mittelalter praktisch kein Wald mehr in Deutschland war. 1342 zum Beispiel. Heute haben wir wieder mehr. Gut 30 Prozent, bis zu 80 Prozent wären es im natürlichen Zustand.

Wenn das Wasser erst mal in den Bächen ist, dann schießt es umso schneller ins Tal, je stärker die begradigt und ausgebaut sind. Der Simbach ist eingeengt, der Orlacher Bach in ein Rohr gezwängt. Das war schnell durch Geröll stopft und dann entsteht am Einlauf ein Stau. Noch mehr Wasser sammelt sich, noch mehr potentielle Zerstörungskraft.

Extreme werden häufiger

Wo es wen und wann trifft, kann niemand vorhersagen. Aber es gibt starke Indizien, dass sowas häufiger wird. Gerade im Frühjahr. Durch den Klimawandel. Mit jedem Grad, um das die Durchschnittstemperatur steigt, kann die Atmosphäre sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen. Und das muss auch wieder runter.

Starkregen-Ereignisse haben schon zugenommen, jedenfalls in den eher feuchten Gegenden der Welt wie bei uns. Schon jetzt entsteht die Hälfte der Überflutungsschäden durch lokale, sintflutartige Regenfälle. Den Regen kann niemand aufhalten. Aber der deutsche Städtetag und Bundesbehörden haben nach den Überschwemmungen 2013 die Gemeinden aufgefordert, dem Wasser mehr Platz und mehr Aufmerksamkeit zu geben.


Online: Peter Mühlfeit und Christine Trück