Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Ex-Kreml-Chef Gorbatschow gestorben

Meinung: Triumph und Tragik des Michail Gorbatschow

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Martin Rupps
Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Demütige Politiker wie Michail Gorbatschow und Willy Brandt regieren nur kurz, meint Martin Rupps. Gäbe es in der Politik Heiligsprechungen, Michail Gorbatschow wäre selbst in Russland irgendwann dran – in ein paar hundert Jahren vielleicht.

Ex-Kreml-Chef Michail Gorbatschow zählt für mich zu den tragischen Figuren der Weltgeschichte. Der Mann machte in seiner Zeit ziemlich viel richtig – und sich selbst überflüssig. Auch gute Revolutionen fressen ihre Kinder.

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Worin liegt die Doppeldeutigkeit von Gorbatschows Lebenswerk, seinem Triumph und Scheitern? Als Regierungschef fügte er sich in politisch Unvermeidliches. Er hat nicht mehr gelogen und das Streben nach Freiheit erstickt wie seine Vorgänger, sondern der Wahrheit, dass die Sowjetunion am Ende ist, ins Auge geblickt. Für seine Demut wurde er – wie viele seines Schlages – sogleich bestraft. Michail Gorbatschow regierte nur wenige Jahre, genauso wie der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt, der die 1945 besetzten Ostgebiete verlorengab. Auch das eine historische Tat, die seine Gegner mobilisierte.

Er schaffte die Sowjetunion ab – und sich selbst

Der schwäbische Philosoph Hegel glaubte, Geschichte verlaufe dialektisch. Abwechselnd zwei Schritte vor, einen zurück. Wenn er da mal recht hatte! Michail Gorbatschow lieferte den Beweis, dass ein Riesenland ohne demokratische Tradition zwei Schritte vorwärtskommen kann. Das mag beispielgebend bleiben auf alle Zeit.

Gäbe es in der Politik Heiligsprechungen, Michail Gorbatschow wäre selbst in Russland irgendwann dran. In ein paar hundert Jahren vielleicht. Dann wird man Wladimir Putins Name entgegen seiner eigenen Bemühungen hoffentlich vergessen haben. Den von Michail Gorbatschow nicht.

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