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Europäischer Gerichtshof Blutspende-Verbot nur unter Auflagen

Der Ausschluss Schwuler von der Blutspende kann laut einem EU-Urteil rechtens sein. Voraussetzung ist aber ein hohes Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV. Das Urteil fällte der Europäische Gerichtshof am Mittwoch in Luxemburg. Der SWR hat mit SWR-Wissenschaftsredakteurin Anja Braun über die Blutspende-Praxis gesprochen.

Leere Blutkonserven

Leere Blutkonserven

Wie wird vor der Blutspende festgestellt, ob jemand zu einer Risikogruppe gehört?

Das wird ganz schlicht mit einem zwei Seiten umfassenden Blutspende-Fragebogen abgeprüft. Den muss man ausfüllen, bevor man zur Blutspende zugelassen wird. Da geht es in erster Linie darum, Daten der Gesundheit des Spenders abzufragen, also ob man schwanger ist oder kürzlich von einer Zecke gebissen wurde, ob man an Herz- oder Gefäßkrankheiten leidet und so weiter. Aber es geht eben auch in einer Frage um das Sexualverhalten.

Wer darf in Deutschland Blut spenden und wer nicht?

Blut spenden darf in Deutschland, wer zwischen 18 und 71 Jahre alt ist, mindestens 50 Kilogramm wiegt und einen normalen Blutdruck vorweisen kann. Dann gibt es aber zahlreiche Ausnahmen auf Zeit. Zum Beispiel darf kein Blut spenden, wer schwanger ist oder stillt, wer Medikamente nimmt oder frisch geimpft wurde, wer aus einem Gebiet mit Malaria kommt oder gerade tätowiert wurde. Ganz ausgeschlossen werden Menschen, die chronisch krank oder drogenabhängig sind. Und auch solche, die sich während der BSE-Epidemie mehr als sechs Monate in Großbritannien oder Nordirland aufgehalten haben. Da wird nämlich vermutet, dass sie Erreger der Krankheit in sich tragen. Dauerhaft ausgeschlossen werden aber auch Gesunde: nämlich Häftlinge, Prostituierte und Homosexuelle.

Warum soll ein Homosexueller ein größeres Risiko darstellen, als ein Mann oder eine Frau, die häufig wechselnde Sexualpartner haben?

Problematisch ist dabei tatsächlich, dass Homosexuelle aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgeschlossen werden. Das tatsächliche Sexualverhalten wird ja gar nicht erfragt. Damit werden ja auch Homosexuelle ausgeschlossen, die gar keine sexuellen Risiken eingehen, also monogam leben. Bei den Heterosexuellen wird nochmal differenziert. Da wird nur ausgeschlossen, wer angibt, häufig wechselnde Sexualpartner zu haben.

Krankenschwester hält eine Blutspendebeutel in die Höhe

Bluttypisierung

Ist es denn nicht möglich, das gespendete Blut zu testen?

Doch, und das passiert auch. Bei jeder Blutspende werden verschiedene Tests durchgeführt. Zum Beispiel Tests auf Hepatitis B und C, auf die Geschlechtskrankheit Syphilis und auch ein Test zur Erkennung einer HIV-Infektion. Das Problem ist das Zeitfenster, in dem Infektionen feststellbar sind. Wenn sich gestern jemand mit HIV infiziert hat und heute Blut spendet, kann man diese Infektion frühestens nach 16 Tagen nachweisen. In dieser Zeitspanne wird das gespendete Blut aber bereits weiterverarbeitet und in seine Bestandteile aufgetrennt.