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EU-Kompromiss Weg mit der Plastiktüte

Milliarden von Plastiktüten landen letztlich als Müll im Meer. Die Europäische Union will dagegen vorgehen und hat einen Kompromiss ausgearbeitet, um der Plastikplage Herr zu werden.

In Griechenland hängen sie an jedem Strauch, sie werden über die Straßen von Bukarest geweht, in Almería zieren sie die Gemüsefelder und in der Bretagne lassen sie den Strand glänzen. Rund 100 Milliarden Plastiktüten verbrauchen die Europäer im Jahr.

Nach durchschnittlich 25 Minuten Nutzungsdauer fliegen die meisten weg - in den Müll oder gleich in die Landschaft. Selbst in Deutschland werden nach Schätzungen kaum die Hälfte in den Gelben Sack gesteckt. In letzter Konsequenz landen die Reste im Meer.

70 Prozent des Mülls in den Meeren besteht aus Plastik, der dort bis zu 500 Jahre erhalten bleibt. Fast alle Wasservögel in der Nordsee haben Teilchen davon in den Mägen. Das Problem ist bekannt, Alternativen gibt es auch: Papiertüten oder – ganz altmodisch – der Einkaufskorb.

Verbindliche Reduzierung

Die Unterhändler der EU-Kommission, des Parlaments und der Mitgliedsländer haben sich darauf geeinigt, dass der durchschnittliche Verbrauch von Tüten pro Jahr und pro Kopf von derzeit rund 200 bis zum Jahr 2019 auf etwa 90 verringert werden soll.

Bis zum Jahr 2025 sollen jährlich nur noch rund 45 Tüten pro Verbraucher anfallen. Es geht dabei um Einwegtüten, die oft umsonst an der Supermarktkasse oder im Schuhgeschäft erhältlich sind.

Der Kompromiss muss vom Europäischen Rat abgesegnet und dann später vom Europa-Parlament verabschiedet werden. Die Hersteller-Lobby wehrt sich: Einige hundert Firmen mit gut 15.000 Beschäftigten sollen in der EU angeblich von der Plastiktütenproduktion leben.

Verbote und Strafabgaben

Eine Frau hält mehrere Plastiktüten in ihrer Hand.

Als Müllbeutel unentbehrlich: Plastiktüten.

Um der Tütenflut Herr zu werden, gibt es verschiedene Varianten. Eine Möglichkeit sind Verbote: Als erster Staat der USA verbietet Kalifornien ab 2015 die Einwegtüten. Das rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda hat seit Jahren ein solches Verbot und gilt als eines der saubersten Länder Afrika.

Die andere Möglichkeit ist eine Strafabgabe, wie sie jetzt auch die EU möglich machen will. Die Iren haben das mit durchschlagendem Erfolg vorgemacht. Die Abgabe von 44 Cent pro Stück brachte eine drastische Reduzierung: Statt einer Tüte am Tag haben sie nur noch eine im Monat verbraucht.

Was ist mit den Ausnahmen?

Strittig sind noch die Ausnahmen. Zum Beispiel sollen dünnwandige Tüten, in die etwa Frischfleisch, Wurst, Fisch oder auch Obst verpackt werden, nicht betroffen sein. Diese Ausnahme wird vor allem damit begründet, dass ein Verbot noch schädlichere Verpackungen, wie Schalen aus Schaumstoff, fördern könnte.

Auch das Verbot sogenannter Oxo-Plastiktüten mit Mineralsalzen, die sich in winzige Teilchen auflösen und somit vor allem in den Ozeanen über Fische in die Nahrungsmittelkette gelangen. Umweltschützern zufolge sind diese Tüten, die dem Verbraucher als biologisch abbaubar angepriesen werden, besonders schädlich. Bisher stemmt sich aber Großbritannien, wo Oxo-Tüten von einem Unternehmen hergestellt werden, gegen ein Verbot.

Auch biologisch abbaubare Einkaufstüten aus Maisstärke und anderen organischen Stoffen könnten von der Neuregelung ausgenommen werden. Dabei hat das Umweltbundesamt in einer Studie darauf hingewiesen, dass diese Art der Tüten besonders viel Energie verbraucht - zuerst bei der Herstellung und später bei ihrem Abbau.

Plastik-Fakten

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit