STAND
REDAKTEUR/IN

Die Grenzen bleiben offen, aber das Reisen innerhalb der EU soll erschwert werden. Das haben die EU-Staats- und Regierungschefs bei einem Video-Gipfel beschlossen. Hintergrund ist die Sorge vor einer rasanten Verbreitung der mutierten Coronaviren.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie wollen die 27 EU-Staaten nicht notwendige Reisen weiter einschränken. Für Waren und Pendler sollen die europäischen Grenzen aber weiter offen sein. Das sagte EU-Ratschef Charles Michel nach einem Videogipfel der Staats- und Regierungschefs.

Gegenden mit besonders hohen Infektionszahlen sollen in Zukunft als sogenannte dunkelrote Zonen ausgewiesen werden. Wer aus ihnen ausreist, soll verpflichtet werden, einen negativen Corona-Test vorzulegen und sich am Ziel in Quarantäne zu begeben. Die EU-Kommission will bis Montag einen Vorschlag erarbeiten, wie nicht-notwendige Reisen in der EU unterbunden werden können.

In Frankreich gilt bereits ab Sonntag, dass Reisende aus der EU einen negativen PCR-Test vorlegen müssen. Das gab Präsident Emmanuel Macron bekannt. Ausgenommen seien aber Pendler etwa am Oberrhein, die die Grenze zum Arbeiten passieren oder Spediteure, die Waren nach oder durch Frankreich transportieren.

Impfkampagne beschleunigen

Außerdem soll die Impfkampagne besser in Schwung kommen. Ziel sei es, dass bis zum Sommer 70 Prozent der Erwachsenen in der EU gegen das Virus immunisiert sind. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich zudem darauf, dass es zwar einen EU-Impfpass geben soll, aber vorerst keine Vorteile für Geimpfte - etwa beim Reisen.

EU-Grüne kritisiert Gipfel-Ergebnisse

Die Europa-Abgeordnete Jutta Paulus (Bündnis 90/Die Grünen) hält die beschlossenen Maßnahmen für zu schwach. Im SWR hat sich Paulus, die auch Mitglied im Ausschuss für Gesundheitsfragen ist, für einen länderübergreifenden, harten Lockdown ausgesprochen. So sollen die Infektionszahlen gesenkt werden.

Das größte Problem sei "dass sich jeder Mitgliedsstaat darauf beschränkt, mit mehr oder weniger halbherzigen Maßnahmen die Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden." Stattdessen solle man gemeinsam einmal "hart auf die Bremse treten – und zwar alle koordiniert", so Paulus.

"Werden uns nicht herausimpfen können".

Ziel solle es sein, dass die Gesundheitsämter die Ausbreitungswege wieder kontrollieren könnten, dass sich die Mutationen nicht weiter ausbreiteten und "dass wir nicht tausende Tote pro Tag haben, denn wir werden uns aus der Lage, in der wir jetzt sind, nicht herausimpfen können", so Paulus weiter.

Mehr zum Thema

Virologie Coronavirus-Mutationen – Was man bisher darüber weiß

Auch in Deutschland sind Mutanten des neuen Coronavirus aufgetreten. Was bedeutet das für den weiteren Verlauf der Pandemie? Wirken die bisherigen Impfstoffe weiterhin?  mehr...

Corona-Krise: Updates, Zahlen und Informationen Live-Blog: Die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus

Das Coronavirus bestimmt den Alltag der Menschen in Deutschland und der Welt. Im Live-Blog fassen wir die Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

Europa

Reisebeschränkungen wegen neuer Corona-Variante EU-Vize-Parlamentspräsidentin Barley: „Virus schnell einkreisen“

Es gehe darum, "das Virus nicht zur Verbreitung kommen zu lassen". Deshalb begrüßt die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD), dass viele EU-Länder die Reiseverbindungen zu Großbritannien bereits unterbrochen haben.  mehr...

STAND
REDAKTEUR/IN