STAND
AUTOR/IN

Wegen der Corona-Pandemie wurden massenhaft Flüge annulliert. Kunden warten aber lange auf die Erstattung ihrer Tickets. Ein Bußgeld für die Airlines könnte helfen, meint Verbraucheranwalt Peter Lassek.

Airlines müssen laut EU-Recht Tickets für ausgefallene Flüge binnen einer Woche erstatten. Klappt aber oft nicht. Deshalb fordern die Grünen ein Bußgeld für Fluggesellschaften, die die Zahlung verschleppen.

Und das kommt seit Beginn der Corona-Pandemie häufig vor, sagt Peter Lassek im SWR. Lassek ist Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Hessen. Seine Erfahrung: Flüge werden storniert, die Kunden werden vertröstet. Sie bekommen keine oder nur unzureichende Auskünfte darüber, ob und wann mit einer Entschädigung gerechnet werden kann.

Systematische Verschleppung?

Dahinter vermutet Anwalt Lassek eine Absicht. Zwar räumt er ein, dass es durch die Masse an ausgefallenen Flügen schwierig sei, Kunden, wie nach EU-Recht gefordert, innerhalb einer Woche zu entschädigen. Er sagt aber auch: "Die Rückzahlung wird bewusst verschleiert, so dass man schon von Rechtsbruch sprechen kann." Kunden würde weisgemacht, sie müssten umbuchen oder einen Gutschein annehmen. Die Rückzahlung werde in Schreiben nur als eine von vielen Möglichkeiten meist am Ende genannt. Sein Urteil: "Verbraucher werden für dumm verkauft."

Er rät dazu, Ansprüche unbedingt geltend zu machen. Natürlich könne man ein Mahnverfahren oder eine Klage anstrengen. In der Regel wolle der Verbraucher aber nicht gleich vor Gericht ziehen. Eine weitere Möglichkeit sieht Lassek im sogenannten "Chargeback-Verfahren". Dadurch können ungerechtfertigte Kreditkartenzahlungen zurückgeholt werden. "Das ist eine Chance, aber wir haben erlebt, dass es in Corona-Zeiten nicht immer erfolgreich ist."

Um Ansprüche geltend zu machen, braucht man Nachweise. Das sind die Flugdaten und die Buchungsnummer. Damit wendet man sich an den Vertragspartner. Das ist bei Flügen die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen ist es der Reiseveranstalter.

Den Grünen-Vorschlag nach einem Bußgeld für zahlungsunwillige Airlines findet Rechtsanwalt Lassek gut. Es gebe bereits die Möglichkeit, dass das Luftfahrtbundesamt Verfahren anstrengt, wenn systematisch gegen Fluggastrechte verstoßen wird. "Es ist denkbar, dass der eine oder andere dann schneller in die Gänge kommt."

Mehr zum Thema

Bundestag beschließt Regelung Ausfall von Pauschalreisen: Reiseveranstalter dürfen Gutscheine anbieten

Gutschein statt Geld sofort zurück. Das würde uns helfen, sagen tausende Reisebüros und auch Reiseveranstalter in der Corona-Krise. Jetzt hat der Bundestag die freiwillige staatlich abgesicherte Gutscheinlösung beschlossen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN