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Unterdurchschnittlich wird die Ernte 2020, das dritte Jahr in Folge. Bauern werden immer mehr Opfer des Klimawandels. An welchen Stellschrauben sie in der Landwirtschaft drehen könnten.

Die Bauern in Deutschland erwarten auch in diesem Jahr eine unterdurchschnittliche Ernte. Bei Getreide werde sie knapp fünf Prozent unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegen, sagte Bauernpräsident Joachim Ruckwied in Berlin. Allerdings gebe es extreme regionale Unterschiede. Der Corona-Anteil an der geringeren Ernte sei "marginal", so Ruckwied.

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Klimawandel im Südwesten: Zu viel und zu wenig Regen verringern die Ernte

In Baden-Württemberg etwa gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Während Nordbaden oder auch Hohenlohe unter Trockenheit im Frühjahr gelitten und teilweise sehr niedrige Erträge gemessen haben, gab es im Süden des Landes gute Ergebnisse. Dort hat es ausreichend geregnet.

In Rheinland-Pfalz hat es sogar von Gemeinde zu Gemeinde starke Unterschiede gegeben, berichten die regionalen Bauernverbände. Im Schnitt waren die Erträge pro Hektar aber am Ende nicht so schlecht wie befürchtet. Sie liegen nur leicht unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Erntemenge ist vor allem deshalb geringer, weil deutlich weniger Winterweizen ausgesät worden war – auch das allerdings wetterbedingt: Grund ist der nasse Herbst im Vorjahr. Gut waren die Ergebnisse beim Raps.

Bauernpräsident fordert Geld vom Staat für Mehrgefahren-Versicherung

Die Erträge waren auch bundesweit besser als erwartet und liegen in etwa im Durchschnitt. Verheerend wirkte sich die Dürre allerdings in Ostdeutschland aus. „Das Klima hat sich verändert“, stellt Bauernpräsident Ruckwied fest und fordert finanzielle Unterstützung beim Aufbau einer Risikoversicherung für die Landwirtschaft.

Trockenheit und Dürre im Sommer, Nässe im Winter, Fröste im Frühjahr

Das Umweltbundesamt beziffert den Anteil der Landwirtschaft an den Klimagasen in Deutschland mit 7,4 Prozent. Die Bauern haben also einen Anteil, sind aber nicht die treibende Kraft. Sie sind aber besonders betroffen vom Klimawandel.

Die Probleme bestehen nicht nur in Trockenheit und Hitze, sondern es gibt auch das Dilemma von Frühjahrsfrösten. Nasse Monate wie im vergangenen Herbst haben zudem die Aussaat von Winterweizen teilweise verhindert. Das trübt die Gesamtbilanz. Es ist eher die Mischung an ungünstigem Wetter, die die Bauern beklagen.

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Welche Strategien der Landwirtschaft im Klimawandel helfen könnten

  • Effektive Bewässerung

Es gibt Bewässerungssysteme vor allen Dingen in der Pfalz, im Gemüsebau. In Niedersachsen etwa werden vor allen Dingen Kartoffeln und einige andere Kulturen großflächig beregnet. Ansonsten ist Deutschland nach wie vor ein Land, das wenig Beregnung hat. Wichtig ist eine effiziente Bewässerung - also nicht die bekannten Sprühregner, die viel Wasser verbrauchen und verdunsten lassen. Viel effizienter ist eine angepasste Bewässerung am Fuß der Pflanze. Andere Formen der Anpassung sind in vielen Fällen für die Ackerkulturen allerdings günstiger als Beregnungssysteme.

  • Vielfalt der Kulturen

Landwirte sollten nicht nur auf Weizen und Raps setzen, weil das das meiste Geld bringt. Die Mischung von mehr Kulturen angesichts des Klimawandels minimiert die Probleme, die es dadurch gibt, und das Risiko. Es müssen bei der Vielfalt der Kulturen gravierende Anpassungen unternommen werden - teilweise gibt es die bereits. Soja etwa breitet sich mittlerweile im Oberrheingraben aus, hier ist es warm genug dafür. Angepasste Arten wären auch Sorghum oder Hartweizen. Dazu gibt es Studien der Universität Stuttgart-Hohenheim. Aus Hartweizen stellen die Italiener ihre Nudeln her. In Deutschland ist üblicherweise Weichweizen im Anbau. Hartweizen ist aber hitzeverträglicher.

  • Futterwirtschaft und Viehhaltung anpassen

Ein echtes Dilemma gibt es in der Viehhaltung, weil die Zahl der Tiere dort so hoch ist. Ausreichend Futter anzubauen, funktioniert nur, wenn es extrem viel Regen gibt - etwa in Rheinland-Pfalz in den Höhenlagen. Es wird Hochleistungssaatgut als Grasart ausgebracht, und es wird viel gedüngt. Dann braucht es viel Wasser, damit möglichst viel Gras geerntet werden kann. Das funktioniert die letzten Jahre wegen der Trockenheit aber nicht mehr. Hier hilft bei gegebener Futterfläche wohl nur, die Zahl der Tiere runterzufahren.

Ausgleich und Unterstützung der Landwirtschaft mit Geld

Der Bauernverband fordert Unterstützung von der Politik für den Aufbau einer Mehrgefahren-Versicherung. Es geht um eine Anschubfinanzierung. Das heißt, Bauern, die diese Versicherung wollen, müssen dann dafür zahlen. Aber am Anfang braucht man in den ersten zwei, drei Jahren erstmal einen Puffer - vom Staat.

Außerdem gibt es die Forderung nach einer Risikoausgleichsrücklage, die steuerlich anerkannt werden soll. Das bedeutet, wenn ein Landwirt Vorsorge trifft und Geld zurücklegt für schlechte Jahre, soll er das nicht versteuern müssen.

Wie Verbraucher Einfluss nehmen können

Für dieses Jahr hat der Bauernverband noch stabile Preise in Aussicht gestellt. Die Preise für Getreide sinken momentan, weil weltweit die Ernte gut ist.

Wenn die Verbraucher nicht gezielt nach regionaler Ware, zum Beispiel auch beim Fleisch, fragen - nach spezieller Ware wie Tierwohl, Bio oder ähnliches - werden die Preise weltweit nicht deshalb steigen, weil in Deutschland die Produktionskosten steigen. Aber das bedeutet, Betriebe hier in Deutschland müssen schließen - und die Ware wird woanders auf der Welt erzeugt.

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