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Seit zwei Jahren können Beschäftigte erfahren, wie viel Kollegen in vergleichbaren Jobs verdienen. Das Entgelttransparenzgesetz soll insbesondere Frauen vor Benachteiligung schützen. Doch die Informationen werden kaum nachgefragt.

Seit 2017 ist das Gesetz bereits in Kraft: Ein individueller Auskunftsanspruch von Arbeitnehmern, der es ermöglichen soll, sogenannte Lohnlücken zwischen Männern und Frauen aufzuspüren. Weil die bislang kaum nachweisbar waren, sollte das Entgelttransparenzgesetz Abhilfe schaffen. Doch die Nachfrage ist laut einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schwindend gering.

Gerade mal vier Prozent der Arbeitnehmer hätten den Auskunftsanspruch bislang genutzt - darunter auch noch mehr Männer als Frauen - weshalb die Wirtschaftsforscher das Gesetz als nahezu wirkungslos beschreiben. Diese Einschätzung teilt auch die Unternehmensberaterin Henrike von Platen. Sie ist die Gründern des Fair Play Innovation Labs, das Firmen bei der Umsetzung von Lohngerechtigkeit unterstützt.

"Wer stellt sich schon gern in die Mecker-Ecke?!"

Die geringe Nachfrage liege zum einen am mangelnden Wissen über das Gesetz, zum anderen aber auch an der konkreten Ausgestaltung, ist von Platen überzeugt. Im Gespräch mit dem SWR erklärt sie, warum das Auskunftsrecht in Form einer Einzelanfrage eher abschreckend wirkt.

Dabei wäre die Information über solche Lohnlücken nach Ansicht der Unternehmensberaterin ein echter Hebel, den es unbedingt zu nutzen gelte und das nicht nur in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit. "Es stecken ja dahinter noch ganz viele weitere Gruppen, sämtliche Minderheiten, die man sich vorstellen kann. Und das kann man nicht einfach so vom Tisch wischen."

Als Alternative schebt von Platen das isländische Modell vor. Unternehmen müssten hier nachweisen, dass sie fair bezahlten. "Da gibt es einen sogenannten Equal-Pay-Standard, den muss jedes Unternehmen verwenden. Wenn ich den durchlaufen habe, kriege ich ein Häkchen, mache ich das nicht, muss ich Strafe zahlen." Die Strafen seien saftig, bis zu 350 Euro pro Mitarbeiter. Aber auch andere europäische Länder wie Großbritannien und Frankreich hätten bereits bessere Regelungen als hierzulande.

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