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Energieboykott gegen Russland?

Meinung: An den kleinmütigen Minister Habeck

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Marion Theis

Deutschland ist in Sachen Energie abhängig von Russland. Wirtschaftsminister Habeck begegnet dem mit „Bedauern“ – und mit Kleinmut, meint Marion Theis.

Sehr geehrter Herr Habeck,

"mit großem Bedauern" stellen Sie fest, dass Deutschland von russischen Energieimporten abhängig ist. Ich dachte zuerst, ich hätte mich verlesen. Wir bestätigen offen, dass wir schwach und hilflos sind? Dass wir von einem Boykott absehen und das (Un-)Recht des Stärkeren akzeptieren, weil wir Angst haben, im Kalten zu sitzen? Was für ein Signal ist das an das russische Kriegstreiber-Regime? Ich stelle mir vor, wie Putin und seine Leute sich ins Fäustchen lachen über so viel Kleinmut. Und sich zu weiteren Gräueltaten ermutigt fühlen.

„Bedauert“ Deutschlands Abhängigkeit: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner)
„Bedauert“ Deutschlands Abhängigkeit: Wirtschaftsminister Robert Habeck

Dabei ist Abhängigkeit eine beiderseitige Angelegenheit. Wir haben doch die Macht zu sagen, wir verzichten auf euer Öl und Gas, von uns kriegt ihr keinen Cent mehr, das ist unser Ass im Ärmel! Und um welchen Preis, werden Sie vielleicht antworten? Um den des Wachstums und Wohlstands, ja. Wir müssten raus aus unserer Komfortzone, weil sonst von unserem Geld Streubomben gegen ukrainische Zivilisten gekauft werden. Ist das zu viel verlangt, das wohlig warme Wohnzimmer zu verlassen, von dem aus wir mit Gänsehaut am Fernseher beobachten, wie ukrainische Männer in den fast sicheren Tod ziehen? Könnten wir es ertragen, im nächsten Winter die Wohnung nur noch zwei Stunden am Tag zu heizen, um Menschen zu unterstützen, die ihre (und unsere) Freiheit willig mit dem Leben bezahlen? Ja, meine ich.

Sie fürchten um die soziale Stabilität? Zu Recht. Aber die Energiepreise werden sowieso weiter steigen, Millionen Menschen bei uns um Asyl bitten, die Zahl der Arbeitslosen, der Armen, sie wird nach oben gehen. Und wenn das so ist, dann können wir uns doch wenigstens jetzt stark und standhaft zeigen und den Kriegsverbrechern etwas entgegensetzen. Dann wissen wir wenigstens, wofür wir frieren und uns einschränken.

200 Milliarden Investitionen in "Energiesouveränität" sind ein Anfang, das gebe ich zu. Aber sie reichen nicht aus. Unsere Zukunft und die unserer Kinder steht in jedem Fall auf dem Spiel. Wenn wir verzagen und uns kleinmachen außerdem unsere Freiheit. Wir haben keine Zeit zu verlieren.

Ich wünsche Ihnen Entschlossenheit und Erfolg für Ihre Arbeit.

Mit den besten Grüßen

Marion Theis

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