Frank Mastiaux, Chef des Energiekonzerns, kann sich einen Weiterbetrieb des EnBW-Kernkraftwerks Neckarwestheim über das Jahresende 2022 hinaus kaum vorstellen. (Foto: Pressestelle, EnBW(Catrin Moritz))

Frank Mastiaux redet Klartext

EnBW-Chef: Gründe gegen einen Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Neckarwestheim

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Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)

Angesichts vieler falscher Aussagen und Gerüchte bezüglich eines Atom-Weiterbetriebs hat EnBW-Chef Frank Mastiaux nun Details zum EnBW-Kernkraftwerks Neckarwestheim genannt.

Bis Ende 2022 sollen die restlichen drei Atomkraftwerke in der Bundesrepublik vom Netz gehen. Sie erzeugen rund sechs Prozent des Stroms in Deutschland. Die Kernkraftwerke sind: Emsland in Niedersachsen, Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Neckarwestheim gehört dem EnBW-Tochterunternehmen EnBW Kernkraft. Bei einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung sagte der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns, Frank Mastiaux, dass sich das Kraftwerk Neckarwestheim ein paar Wochen im jetzigen Zustand weiterbetreiben lassen könnte. Das sei allerdings an einige Bedingungen geknüpft:

  • Ein Gesetz müsste dafür geändert werden.
  • Auch müsste Klarheit darüber bestehen, wie man mit den internationalen Normen für Prüfverfahren umgehe. Sie verlangen alle zehn Jahre eine Überprüfung.
  • Diese Überprüfung, die eigentlich 2019 angestanden hätte, sei wegen der geplanten Stilllegung damals nicht vorgenommen worden. Auch müsste man bei einem längeren Betrieb Brennstäbe besorgen, deren Lieferung normalerweise 12 bis 18 Monate dauere.

Pläne für 700 Beschäftigte

Mastiaux betonte: "Wir haben eine Gesetzeslage, wir haben einen ökonomischen Plan und eine Umsetzungsverpflichtung". Dahinter hänge ein Rattenschwanz an anderen Effekten. So gebe es etwa für die mehr als 700 Beschäftigten im aktiven Kraftwerksbetrieb Pläne etwa für Umschulungen oder Frühpensionierungen. Für den Block, der abgeschaltet werde, gebe es Pläne für Unternehmen, die Spezialarbeiten durchführen sollen. Mit diesen Unternehmen müssten zehn Jahre vorher Verträge gemacht werden, "damit, die dann auch verfügbar sind".

Lagerung und Entsorgung

Auch gebe es die Themen der Lagerung und der Entsorgung: "Alle diese Dinge und dieser Plan waren auf den 31.Dezember dieses Jahres optimiert und daran halten wir fest, weil wir kein anderes Bild haben." Mit den Brennstäben könne man jetzt noch ein paar Wochen weitermachen: "Aber das ist es dann. Dann müsste man über neue Brennstäbe reden." In dieser Phase würde auch die Kapazität schon runtergefahren. Die Strommenge, die dann zur Verfügung steht, ginge dann ganz langsam irgendwann zu Ende.

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In Frankreich sind momentan rund die Hälfte der Atomkraftwerke wegen Defekten oder Wartungen vom Netz, sodass die Meiler weniger Strom als üblich lieferten. Deshalb liefern wir auch Strom nach Frankreich. In Deutschland trägt Erdgas rund zehn Prozent zum Strommix bei, erneuerbare Energien haben mit 50 Prozent den größten Anteil, die Atomkraft rund sechs Prozent. Der in diesem Jahr durch Kernkraft erzeugte Strom könnte bei durchschnittlichem Verbrauch fast 4,5 Millionen Vier-Personen-Haushalte lang versorgen.

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