Laura Koppenhöfer (Foto: SWR, SWR/Christian Koch )

"Zwei Minuten": Die Kolumne zum Wochenende

Meinung: Ein guter Anfang

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Laura Koppenhöfer

Mit einem Video hat Xavier Naidoo seine Abkehr von Verschwörungstheorien bekundet. Glaubt man’s? Zweitrangig. Der demonstrative Sinneswandel, ob echt oder gespielt, bewahrt uns vorerst vor weiterer Hetze von ihm. Und darüber kann man ehrlich erleichtert sein, findet Laura Koppenhöfer in ihrer Kolumne “Zwei Minuten”.  

Da sage noch jemand, es gebe zurzeit partout keine guten Nachrichten! Hier kommt eine: Xavier Naidoo ist von seinem einflussreichen Posten als Chefschwurbler zurückgetreten. Mit sofortiger Wirkung, wie er in einem millionenfach geklickten Video vom Ledersofa nebst Zimmerpflanze verkündet hat: Er sei "von Verschwörungserzählungen geblendet" gewesen und habe Dinge gesagt, die er bereue. Doch jetzt habe er sich selbst reflektiert. Glückwunsch zu dieser genialen Idee! Besser spät als nie.

Die Kolumne von Laura Koppenhöfer können Sie hier auch als Audio hören:

Ob man ihm diesen Sinneswandel wirklich abkauft, sei mal dahingestellt. Und warum es erst einen Angriffskrieg in Europa braucht, um sich zur Abwechslung mal selbst kritisch zu hinterfragen, erst recht. Aber dass Naidoo erstmal keinen neuen Schwachsinn mehr öffentlich verzapft, von Blut trinkenden Pädophilen oder Apokalypsen mit geimpften Zombies, davon ist wohl auszugehen.

Und darüber bin ich ehrlich erleichtert. Es hätte ganz anders kommen können! Schließlich haben etliche der so genannten Querdenker, darunter auch andere Promis wie Attila Hildmann, natürlich auch zum Ukraine-Krieg längst die passende Weltverschwörung parat. Einigen besonders Kreativen gelingt sogar das direkte Anknüpfen an die Corona-Schwurbeleien. Das kommt gelegen, da doch auf der Baustelle ohne Maßnahmen und Impfpflicht eigentlich gar nix mehr los ist. Wie praktisch, dass Putin rechtzeitig neuen Stoff geliefert hat.

Wer drei Mal lügt, dem glaubt man nicht. Wie verlässlich ist Xavier Naidoos Sinneswandel? Die Zukunft wird es zeigen. (Foto: dpa Bildfunk, Klaus-Dietmar Gabbert)
Wer drei Mal lügt, dem glaubt man nicht. Wie verlässlich ist Xavier Naidoos Sinneswandel? Die Zukunft wird es zeigen.

Mit russischer Staatspropaganda hat man als geneigter Querdenker in der Pandemie ja von Anfang an beste Erfahrungen gemacht, als Abonnent des deutschen Russia Today-Kanals zum Beispiel. Ehrensache, dass man jetzt das russische Märchen von der alternativlosen "Befreiung der Ukraine" glaubhafter findet als die Fake News der westlichen Lügenpresse. Die einfach nicht aufhört, die "militärische Spezialoperation" als Krieg zu bezeichnen.

Und da möchte ich mir gar nicht ausmalen, was ein Xavier Naidoo tränenüberströmt in die Handykamera wimmern würde, wenn er sich nicht endlich mal kritisch hinterfragt hätte, sondern weiterhin auf dem Verschwörungstrip unterwegs wäre.

Ich hätte es ihm zugetraut: Erst den angeblichen Tod von Eliten entführter Kinder zu propagieren, um dann den echten Tod von Bomben getroffener Kinder als inszeniert zu leugnen. Aber das tut Naidoo zum Glück nicht, seine ukrainische Frau und das Schicksal ihrer Familie und Freunde haben ihm nach eigener Aussage die Augen geöffnet.

Schon klar, dass er so leicht aus der Nummer nicht rauskommt. Eine dreiminütige Videobotschaft abschicken und all die Jahre der rassistischen, antisemitischen und demokratiefeindlichen Hetzerei sind vergessen? Nee, Xavier, merkste selbst. Aber es ist ein Anfang. An der Stelle muss ich mich übrigens auch entschuldigen. Für meine Mitgliedschaft in einer fragwürdigen Quatsch-Gruppe im kürzlich endgültig abgestellten StudiVZ. Sie hieß "Wir sparen auf ein Haifischbecken für Xavier Naidoo." 

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