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DRK Notfallseelsorger Dasein und Zuhören

Polizisten, Feuerwehrleute, Bergretter - viele Einsatzkräfte sind an der Unglücksstelle der Germanwings-Maschine im Einsatz. Unter ihnen auch deutsche Notfall-Seelsorger.

Ein Notfallseelsorger kümmert sich um eine Frau, aufgenommen am 13.03.2009 in Winnenden.

Notfallseelsorger im Einsatz (Symbolbild)

Dietmar Hein ist Fachberater für psychosoziale Notfallversorgung des Deutschen Roten Kreuzes in Baden-Württemberg. Er koordiniert den Einsatz der fünf DRK-Notfallseelsorger aus Stuttgart am Unglücksort in Frankreich.

Wie sieht die konkrete Arbeit aus, die ihr Team jetzt leisten muss?

Nach dem Eintreffen erfolgt zunächst die Kontaktaufnahme mit den Kolleginnen und Kollegen des Französischen Roten Kreuzes. Auch das Spanische Rote Kreuz ist mit entsprechenden Fachkräften vertreten. Dann geht es darum, dass man gemeinsam festlegt, wie es organisatorisch ablaufen wird, wenn die Angehörigen der Opfer eintreffen werden. Das ist beim Großschadensereignis immer sehr wichtig. Dann erfolgt die tatsächliche Arbeit, die die Teams dann leisten werden. Da denkt man zunächst immer daran, dass unsere Kolleginnen und Kollegen sehr viel sprechen aber es ist eigentlich immer nur die Begleitung von Betroffenen und einfach nur das Dasein und das Zuhören.

Wann wurde Ihr Team angefordert?

Ich wurde gestern um circa 22.50 Uhr durch das Generalsekretariat in Berlin, da gibt es ein großes Lagezentrum des Deutschen Roten Kreuzes, alarmiert und darüber informiert, dass das Französische Rote Kreuz deutsche Notfallsellsorger-Einsatzkräfte angefordert hat.

Wie haben sie ihre Leute denn so schnell auf den Einsatz in Südfrankreich vorbereiten können?

Die Kolleginnen und Kollegen sind vorbereitet, weil es sehr erfahrene Kollegen sind, die auch Großeinsätze schon hinter sich gebracht haben. Die wissen, wie so ein Großeinsatz abläuft. Sie bilden sich regelmäßig weiter und nehmen an Übungen teil.

Wie viele deutsche Teams sind im Moment vor Ort?

Heute Nacht waren wir der erste Landesverband der für das Deutsche Rote Kreuz ein Einsatzteam nach Frankreich geschickt hat. Die Kolleginnen und Kollegen sind um circa 13 Uhr im Einsatzgebiet eingetroffen.

Welche Fragen haben die Angehörigen vor Ort?

Ein Helikopter fliegt nach dem Absturz der Germanwings-Maschine über eine Stelle, an der Helfer neben Wrackteilen arbeiten

Das Flugzeugunglück ereignete sich nur rund 25 Kilometer von Digne-les-Bains entfernt.

Viele wollen natürlich an die Unglückstelle. Sie wollen einfach das Bild sehen. Sie wollen einfach wissen, wo ist dieses Unglück passiert und erhoffen sich dadurch natürlich Antworten auf ihre Fragen. Wie konnte es passieren, sie wollen aber auch in diesem Moment nahe sein bei ihren Angehörigen, die dort leider verstorben sind und das ist für die Angehörigen unheimlich wichtig.

Wenn Angehörige solch eine schreckliche Nachricht erhalten, da fehlen einem die Worte. Man selbst fühlt sich doch auch bestimmt hilflos. Wie schaffen sie es, da zu helfen?

Man braucht eine entsprechende positive Lebenseinstellung und auch die Kraft anderen in Notlagen helfen zu können. Auch dieser Wille dies zu tun, das haben die Kolleginnen und Kollegen und natürlich auch das Wissen wenn sie zurückkommen, sie von uns wieder aufgefangen werden. Sie natürlich dann auch ihre Belastungen bei uns lassen können und wir ihnen da unterstützend zur Seite stehen.

online: Dimi Triantafillu, Christine Härrer