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Drei Jahre FairCare Raus aus der Illegalität der Pflege

Was tun mit Mutter oder Vater, wenn sie Betreuung brauchen? Allein in Baden-Württemberg arbeiten rund 30.000 Betreuungskräfte aus Osteuropa, die meisten illegal. Um zu zeigen, dass es auch legal und fair für beide Seiten geht, gibt es FairCare. Eine Bilanz nach drei Jahren.

Maria Kubiela lacht oft und gerne. Die 63-jährige Polin ist seit ein paar Monaten in einem Dorf in der Nähe von Stuttgart und kümmert sich um eine ältere Dame. "Frau ist sehr gut, zusammen leben, stricken, lernen stricken Socken meine Enkelin!", sagt Maria in gebrochenem Deutsch. Sie kocht und strickt nicht nur, sie erledigt den Haushalt und all die Arbeiten, die seit einem Krankenhausaufenthalt der 80-jährigen Frau diese selbst nicht mehr erledigen kann.

Und Maria ist einfach da, denn die Kinder leben alle weit weg. Andreas Müller, einer der Söhne, sagt: "Das Hauptkriterium für das Modell war, die Chance zu erhalten, dass meine Mutter in ihrer Umgebung bleiben kann."

Die Helferinnen werden oft ausgebeutet


Vor drei Jahren hat die Diakonie Württemberg zusammen mit dem Verein für Internationale Jugendarbeit und dem Verband Evangelische Frauen in Württemberg das Projekt FairCare gestartet.

Die Betreuungshilfe hat Müller über den Verein für Internationale Jugendarbeit (VIJ) in Stuttgart bekommen, eine Einrichtung der Diakonie Württemberg. FairCare - faire Pflege - nennt sich das Modell. Es vermittelt Frauen aus Osteuropa, die dringend auf Arbeit angewiesen sind.

Gerade deswegen aber sind sie leicht auszubeuten, betreuen oft allein einen schwer Pflegebedürftigen, meist rund um die Uhr – und auch noch schwarz. FairCare dagegen heißt: Die Betreuerin ist legal angestellt und bekommt genügend Freizeit.

"Es ist oft unmenschlich, was teilweise verlangt wird - Tag und Nacht durchzuschuften", sagt Doris Köhncke vom VIJ. "Auch in der häuslichen Betreuung ist es wichtig, dass die Helferinnen Zeit haben sich zu erholen, um mit neuer Kraft wieder gut zu arbeiten zu können."

2.000 Euro im Monat

Pflege rund um die Uhr

Die sozialen Kontakte sind bei der Betreuung besonders wichtig.

Rund 130 Frauen in 70 Familien hat FairCare in den vergangenen drei Jahren vermittelt. In Familien, die bereit sind, über 2.000 Euro im Monat zu bezahlen – das sind oft 1.000 Euro mehr als bei Schwarzarbeit. Dazu der enorme bürokratische Aufwand für die Anmeldung.

Bei den Frauen selbst kommen rund 1.000 Euro im Monat an. Doch legal heißt eben, dass man sich auf Augenhöhe begegnet, meint Müller. "Wenn zwei Personen miteinander leben und einer nur der Diener ist, dann geht das nicht. Sie müssen sich wohl fühlen."

Forderungen an die Politik

FairCare wird weitergeführt. Der Bedarf ist da - bei den arbeitsuchenden Frauen und bei den Familien. Aber die Politik lässt beide im Stich, beklagt Köhncke: "Wir fordern bessere Rahmenbedingungen. Dass es zum Beispiel zertifizierte Agenturen gibt, damit man ganz klar sehen kann, die Agentur arbeitet seriös. Und dass es Modelle gibt, die die häusliche Betreuung finanzierbarer und leichter umsetzbar macht."