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Dispo-Kredit überzogen Beratungspflicht für Banken

Wenn Bankkunden ihr Konto häufig stark überziehen, soll die Bank sie in Zukunft über günstigere Alternativen informieren.

Bankautomat gibt Geld raus

Zu oft Geld auf Pump abgehoben - jetzt sollen Banken zur Beratung verpflichtet werden

Autoren: Jan Seidel, SWR Hauptstadtstudio; Marc Koch, SWR Wirtschaft und Soziales

Die Zinsen für sogenannte Dispo-Kredite sind häufig sehr hoch, weil die Kredite eigentlich nur kurzfristig genutzt werden sollen. Normale Konsumentenkredite sind meistens günstiger.

Bank muss handeln, wenn das Konto zu lange überzogen wurde

Das Beratungsangebot soll fällig werden, wenn ein Bankkunde drei Monate lang mit der Hälfte des durchschnittlichen monatlichen Geldeingangs im Minus ist - also in der Regel mit der Hälfte seines Netto-Gehalts. Oder, wenn er die maximale Dispo-Summe mindestens sechs Monate lang zu mehr als drei Vierteln ausgenutzt hat. Deshalb sollen die Banken in Zukunft die Zinsen für Dispo-Kredite auf ihren Internet-Seiten veröffentlichen.

Viele Bankkunden nutzen den Dispo-Kredit

Mehr als sechs Millionen Menschen nutzen den Dispo-Kredit jeden Monat - viele dauerhaft. Viele Banken nehmen immer noch um die 10 Prozent Zinsen für Dispo-Kredite - sie sind in die Kritik geraten, weil sie die niedrigen Zinsen der Zentralbanken nicht an ihre Kunden weitergeben.

Der Dispokredit ist etwas ausgesprochen Verführerisches:

Ist er erst einmal mit der Bank vereinbart, muss er nicht extra beantragt werden, sondern ist sofort verfügbar. Außerdem muss der Kunde den Kredit nicht in festen Raten zurückzahlen, sondern kann das in einem bestimmten Rahmen eigenständig gestalten.

Der Dispo-Kredit ist die beste Art, den Banken das Geld in den Rachen zu werfen:

Denn beim Dispo-Kredit hat das Geldinstitut das Recht, jederzeit den Dispo zu kündigen und das überzogene Geld kurzfristig zurückzufordern - zum Beispiel, wenn die Bank an der Zahlungsfähigkeit des Schuldners zweifelt. Selbst, wenn es nicht zum Äußersten kommt: Für den Dispo werden saftige Zinsen fällig: 7,5 Prozent bei Direktbanken, bei Filialbanken sogar bis zu 11 Prozent.

Wie sich Verbraucher schützen können: Dispo-Kredit ablehnen

Außenfassade einer Bank

Es gibt günstigere Kreditformen als den Dispo

Wer sich vor einen Dispo-Kredit schützen will, hat im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Er vereinbart mit der Bank schlicht, dass das Konto nicht überzogen werden darf. Das ist bei Jugendlichen eine ganz brauchbare Methode, um nicht ins Minus zu rutschen.

Schwierig wird es allerdings, wenn Daueraufträge wie Telefon oder Strom abgebucht werden müssen und der Kunde im Urlaub oder sonst wie verhindert ist. Deswegen ist es praktischer, den Dispo-Rahmen zu limitieren - 500 Euro sind eine gute Hausnummer, sagen Finanzexperten.

Alternativen zum Dispo-Kredit

Eine andere Lösung für eine schnelle Finanzspritze sind Kredite, die billiger finanziert werden als der Dispo. Dafür haben sie aber ein paar Regeln, an die sich der Kunde halten muss: Er muss das Darlehen bei der Bank beantragen.

  • Entweder einen Ratenkredit, für den es eine bestimmte Summe und einen festgelegten Zinssatz gibt.
  • Oder man greift zum Abrufkredit: Der hat einen Kreditrahmen, jeden Monat muss ein vereinbarter Betrag zurückgezahlt werden.

Beide müssen nach einer definierten Zeit zurückgezahlt werden. Bei beiden Kreditformen zahlen die Schuldner wesentlich niedrigere Zinsen als beim Dispo-Kredit. Der ist zwar bequem, aber auch teuer - und im Zweifel ziemlich riskant.

Online: Dimi Triantafillu