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Örtliche Ausgangssperren, Verordnungen, die größere Versammlungen verbieten: In ganz Deutschland sind neue Maßnahmen gegen das Corona-Virus in Kraft. Eine allgemeine Ausgangssperre wie in Frankreich lässt sich aber nur vermeiden, wenn alle mitziehen.

In Deutschland ist noch erlaubt, was in anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien schon längst verboten ist: Menschen dürfen sich noch in Parks oder Cafés treffen. Viele machen, unter anderem wegen des frühlingshaften Wetters, davon Gebrauch. Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Bayern und dem Saarland haben deshalb heute damit gedroht, eine allgemeine Ausgangssperre zu verhängen. Die Menschen dürften dann ihre Wohnungen und Häuser ohne triftigen Grund nicht mehr verlassen.

"Schnelle und harte Ausgangssperre" unvermeidlich?

Der saarländische Regierungschef Tobias Hans, CDU, hält eine "schnelle und harte Ausgangssperre" in ganz Deutschland möglicherweise für unvermeidlich. Man müsse Strenge zeigen zum Schutz insbesondere der Alten und Kranken, sagte er. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Grüne, bat die Bürgerinnen "eindringlich" darum, ihr Verhalten umzustellen und ihre Sozialkontakte zu verringern. Ansonsten komme man um "härtere Maßnahmen" nicht herum.

In Baden-Württemberg hat die Stadt Mannheim bereits verfügt, dass es keine Versammlung mehr mit mehr als zehn Menschen geben darf. Außerdem sind Parks und Gärten geschlossen. Oberbürgermeister Peter Kurz sagte im SWR, bis morgen gebe es mündliche Verwarnungen denjenigen gegenüber, die sich nicht daran halten würden. Wenn das nicht fruchte, werde man Bußgelder verhängen müssen.

Karlsruhe erwägt "österreichische Lösung"

Aus Karlsruhe berichtet Oberbürgermeister Frank Mentrup davon, dass Jugendliche "sehr widerwillig" reagieren würden, wenn kommunaler Ordnungsdienst und Polizei sie ansprächen. Außerdem würden viele Menschen nicht akzeptieren, dass der Aufenthalt auf Spielplätzen verboten sei. Falls man bis zum Wochenende die Großgruppen im Freien nicht in den Griff bekomme, müsse man eine "österreichische Lösung" erwägen, meinte Mentrup im SWR. Das würde bedeuten, dass draußen maximal fünf Leute beisammen stehen dürften.

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In Bayern gibt es bereits lokale Ausgangssperren in mehreren Gemeinden, weil sich dort jeweils eine überdurchschnittlich große Zahl an Menschen mit dem Coronavirus infiziert hat. Außerdem müssen Lokale um 15 Uhr zumachen, Spiel- und Bolzplätze sind geschlossen. Wenn das nicht beachtet werde, könne eine Situation entstehen, in der wir uns gezwungen sehen, eine landesweite Ausgangssperre zu verhängen, sagte Innenminister Joachim Herrmann, CSU, im SWR. Wörtlich fügte er hinzu: "Wir möchten das eigentlich gerne vermeiden."

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