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Armin Laschet ist zum neuen CDU-Parteivorsitzenden gewählt worden. Der erste Wahlgang hatte noch keine Entscheidung gebracht - die Kandidaten Laschet und Merz mussten in die Stichwahl.

Für Armin Laschet, den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, stimmten 521 der Delegierten, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz erhielt 466 Stimmen. Das Ergebnis der Online-Abstimmung muss nun noch formal durch eine Briefwahl bestätigt werden, um rechtssicher zu sein.

In seiner Rede nach der Wahl betonte Laschet, er werde alles dafür tun, "dass wir zusammen durch dieses Jahr gehen". Zudem bedankte er sich ausdrücklich für die Arbeit seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Im ersten Wahlgang hatte keiner der drei Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit bekommen. Außenpolitiker Norbert Röttgen belegte den dritten Platz und war damit aus dem Rennen ausgeschieden.

Glückwünsche aus fast allen Parteien

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte in einer ersten Stellungnahme, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Laschet. Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von einer großen Aufgabe, die Laschet erwarte. Dazu wünsche er ihm viel Glück, schrieb er auf Twitter. Die Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck meinten, Laschet stehe nun vor der Aufgabe, die CDU nach der Ära Merkel neu zu definieren und zu klären, wofür die Partei inhaltlich antrete.

Der FDP-Vize Wolfgang Kubicki sieht in der Entscheidung der CDU für Laschet ein Signal für eine mögliche schwarz-gelbe Bundesregierung. Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen bezeichnete Laschets Wahl zum CDU-Vorsitzenden als eine "schlechte Nachricht für Deutschland" - jetzt werde "weitergemerkelt".

Letzte Bewerbungsreden der Kandidaten vor 1.001 Delegierten

Am Vormittag hatten sich die Kandidaten den 1.001 Delegierten präsentiert. Armin Laschet warb in seiner Rede für die politische Mitte. Die CDU werde nur gewinnen, wenn sie in der Mitte der Gesellschaft stark bleibe. Dafür trete er zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an.

Friedrich Merz hatte die Partei in seiner Rede auf einen Sieg bei der nächsten Bundestagswahl eingeschworen. Die CDU sei fest entschlossen, die nächste Bundesregierung auch wieder zu führen.

Röttgen hatte in seiner Bewerbungsrede die Zukunftskompetenz in den Mittelpunkt gestellt. Es gehe um Orientierung, Führung, Ideen und den Willen zu gestalten.

Merz will Bundeswirtschaftsminister werden - Laschet und Merkel lehnen ab

Merz hat nach seiner Wahl-Niederlage auf Twitter geschrieben, er habe Laschet angeboten, in die jetzige Bundesregierung einzutreten und das Wirtschaftsministerium zu übernehmen. Aktueller Wirtschaftsminister ist Peter Altmaier. Laschet sagte zu diesem Vorschlag: Eine Kabinettsumbildung sei kein Thema gewesen. Das bestätigte auch Regierungssprecher Steffen Seibert. Laschet hätte sich gewünscht, dass Merz ins CDU-Präsidium gehe, dieser habe sich aber anders entschieden.

Fünf Parteivize gewählt - auch Spahn ist dabei

Am Samstagmittag wurden auch die fünf stellvertretenden Parteichefs und -chefinnen gewählt. Neu in der Riege ist Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er erreichte mit knapp 590 Stimmen das schlechteste Ergebnis aller Bewerber. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und die Vorsitzende des CDU-Verbandes Oldenburg, Silvia Breher, bleiben in ihren Ämtern. Sie wurden von den Delegierten als stellvertretende Parteivorsitzende der CDU bestätigt.

Kramp-Karrenbauer: Rücktritt "war reiflich überlegt und er war richtig"

Zum Auftakt des Parteitages am Freitagabend hatte die scheidende Vorsitzende Kramp-Karrenbauer die CDU in ihrer Abschiedsrede zur Geschlossenheit in den eigenen Reihen und mit der Schwesterpartei CSU aufgerufen.

Außerdem verteidigte Kramp-Karrenbauer in ihrer Rede ihren vor gut einem Jahr angekündigten Rückzug von der Parteispitze: "Er war reiflich überlegt und er war richtig". Kramp-Karrenbauer hatte ihren Rücktritt wegen des Streits um die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen mit Stimmen der CDU und der AfD erklärt. Sie habe damals nicht mehr genügend Unterstützung gespürt und wisse, dass viele sich mehr von ihr erhofft hatten, sagte sie. Und weiter: "Euren Erwartungen und meinen eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht geworden zu sein, das schmerzt - auch heute noch."

Der Parteitag der CDU fand zum ersten Mal komplett digital statt.

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