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Das Wahl-ABC Ü wie Überhangmandat



Klingt nach zu viel von etwas - und das ist es auch - und das kommt so:
Mit unserer Erststimme wählen wir diejenigen Politiker, die von den Wahlkreisen in Deutschland per Direktmandat in den Bundestag entsendet werden, dort also unsere Interessen vertreten dürfen. Nun kommt es aber immer wieder vor, dass in einem Bundesland mehr Politiker einer Partei einen Wahlkreis direkt gewinnen, als dieser Partei dort ihrem Zweitstimmenergebnis nach Sitze im Bundestag zustünden.

Beispiel: Baden-Württemberg - hier errang die CDU 2009 nach Zweitstimmen 27 Sitze für den Bundestag. Weil CDU-Kandidaten aber in 37 Wahlkreisen in Baden-Württemberg das Direktmandat gewannen, entstanden 10 Überhangmandate für die CDU. Denn ein direkt gewählter Politiker muss auf jeden Fall einen Sitz im Bundestag bekommen. 2009 entstanden so im Bundestag insgesamt 24 Überhangmandate, sie alle gingen an die CDU/CSU. Das kann auch mal anders aussehen - 1998 beispielweise gab es 13 Überhangmandate - damals gingen alle an die SPD.

Grundsätzlich hatte diese Regelung große Parteien bevorzugt. Kandidaten kleiner Parteien kommen fast immer über die Landesliste, also dank unserer Zweitstimme, in den Bundestag. Das Bundesverfassungsgericht hatte deshalb vergangenes Jahr gefordert, dass das Wahlrecht geändert wird, um den Wählerwillen gerechter abzubilden, was das Parlament nach langem Hin und Her im Februar befolgte.

Bei dieser Bundestagswahl werden nun Überhangmandate einer Partei mit Ausgleichsmandaten für die andern Parteien neutralisiert. Und alle sind sehr gespannt, wie viele Abgeordnete sich dann insgesamt ins Plenum des Berliner Reichstags quetschen müssen.

Autoren: Rebecca Lüer/tk

Das Wahl-ABC