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Porträt Sebastian Münzenmaier (AfD) Junges "Konsens-Kandidat"

von Benjamin Donath

Die rheinland-pfälzische AfD hat sich festgelegt: Die Partei zieht mit Sebastian Münzenmaier an der Spitze der Landesliste in den Bundestagswahlkampf - einem 27-Jährigen, der mitten im Wahlkampf vor Gericht steht.


Schlechter könnte das Timing kaum sein: Seit Juli steht Sebastian Münzenmaier vor dem Mainzer Amtsgericht. Er soll als Teil einer Gruppe von Anhängern des 1. FC Kaiserslautern im März 2012 Fans des FSV Mainz 05 attackiert haben. Dabei gab es mehrere Verletzte. Münzenmaier schweigt vor Gericht, äußert sich aber in einer Wahlkampfveranstaltung unmissverständlich: "Ich bin ein friedlicher Fußballfan ... ich habe mich nie an irgendwelchen gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt."

Münzenmaier ist seit 2013 - dem Partei-Gründungsjahr - Mitglied der AfD. Seit vergangenem Jahr führt er die Geschäfte der rheinland-pfälzischen AfD-Landtagsfraktion. "Ich bin verantwortlich für alle Dinge, die mit der Fraktion zu tun haben: für den Kontakt zur Verwaltung, für Personalfragen, für die Finanzen", sagt der gebürtige Pfälzer über seine Tätigkeit.

Dass Münzenmaier sich als junger Mensch für die AfD entschied, begründet er im Gespräch mit dem SWR mit der seiner Ansicht nach in Deutschland vorherrschenden Political Correctness: "Ich halte es generell für sehr problematisch, wenn man über manche Themen in der Öffentlichkeit gar nicht oder kaum sprechen kann, ohne dass man gleich als Rechter gilt."

"Freiheit"-Mitgliedschaft - kein Grund für Vorbehalte?

Dass dieser Eindruck auch dadurch entstehen könnte, dass Münzenmaier vor seinem Eintritt in die AfD Mitglied der islamfeindlichen Partei "Die Freiheit" war, dem tritt er entschieden entgegen - schließlich sei er bereits im Sommer 2013 in die AfD eingetreten, und zu diesem Zeitpunkt habe noch kein Grund bestanden, Vorbehalte gegen "Die Freiheit" zu hegen. Dass die Partei vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wurde, sei eine Entwicklung gewesen, die wesentlich später eingesetzt habe. Doch das ist so nicht ganz zutreffend.

Dass der bayerische Staatsschutz begann, die im Freistaat arg umtriebigen Islamfeinde zu beobachten und als verfassungsfeindlich einzustufen, wurde bereits im April 2013 publik. Aber dass eine "Freiheit"-Vergangenheit kein Hindernis sein muss, um in der AfD zu reüssieren, zeigt auch das Beispiel des Mainzer Fraktionsvorsitzenden Uwe Junge. Münzenmaier kann immerhin darauf verweisen, das bei seiner Aufnahme in die AfD "ordnungsgemäß angegeben" zu haben. Aber wo und wofür steht Münzenmaier?

"Rechtspopulist!?"

Auf der Homepage des Spitzenkandidaten stößt der Leser auch auf ein Kapitel mit dem Titel "Rechtspopulist!?", das allerdings noch nicht mit Inhalt gefüllt ist. Im Gespräch nennt er die Bezeichnung einen "Kampfbegriff der politischen Gegenseite": "Ich bin der Meinung, dass wir als AfD die Sprache der Bürger sprechen - wenn dies für die Gegner Rechtspopulismus ist, dann bin ich Rechtspopulist." Aber es bleibe ein Kampfbegriff, denn man spreche ja auch bei Martin Schulz nicht von Linkspopulismus.

Als persönlichen politischen Schwerpunkt nennt der 27-Jährige, sich für mehr direkte Demokratie einsetzen zu wollen. Außerdem plädiert er für politischen Pragmatismus: So könne für ihn auch ein SPD-Antrag unterstützenswert sein. "Das werfe ich den etablierten Parteien vor, dass man nicht dazu bereit ist, sich sachpolitisch mit uns auseinanderzusetzen", so Münzenmaier weiter.

Keine Ausreißer nach rechts oder links

Für Frederik Merx, aus dem landespolitischen Korrespondentenbüro des SWR, hat die Partei mit Münzenmaier den von Junge gewünschten Konsens-Kandidaten gefunden. Seitenhiebe gegen den national-konservativen Parteiflügel um Frauke Petry oder den Thüringer Björn Höcke habe sich der 27-Jährige in seiner Bewerbungsrede auf dem Nominierungsparteitag Anfang März in Bingen gespart.

Aber auch Münzenmaier spricht laut Merx von "machtbesessenen Altparteien", "sogenannten Flüchtlingen", konstatiert, dass "der Islam nicht zu Deutschland gehört" und fordert eine Schließung der deutschen Grenze. "Seine Rede war im Wortlaut so ziemlich genau das, was im Wahlprogramm der Partei steht", so Merx - damit liege er ganz auf Linie mit Junge, der stets die Diszipliniertheit seines Landesverbandes betont.

"Erleben eine Zeitenwende"

Münzenmaier wähnt das Momentum auf seiner und der Seite seiner Partei: "Ich glaube, dass wir momentan weltweit eine historische Zeitenwende erleben", sagt Münzenmaier mit Blick auf den Brexit und Trump. Folglich gehe es auch für die AfD nicht darum, im Herbst auf fünf bis zehn Prozent zu kommen: "Wir wollen 15 Prozent plus X holen." Und dazu, dass das gelinge, werde er seinen Teil beitragen.

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