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Hans-Ulrich Rülke (FDP) im Porträt Der Landtags-Lautsprecher

Er führt die kleinste Landtagsfraktion an und gilt dennoch als "heimlicher Oppositionsführer": Hans-Ulrich Rülke ist der Lautsprecher der Landespolitik. Er will das Stammland der Liberalen verteidigen.

Persönliches

1961 in Tuttlingen geboren, verheiratet, drei Kinder, evangelisch, lebt in Pforzheim

Werdegang
Studium der Germanistik, Politik, Geschichte und Soziologie in Konstanz
1991 Promotion
1993 Gymnasiallehrer in Pforzheim
2001 - 2006 Fachberater für Politik und Wirtschaft beim Oberschulamt Karlsruhe
Parteikarriere
seit 1985 Mitglied der FDP
seit 1999 Mitglied des Gemeinderats von Pforzheim
seit 2000 Kreisvorsitzender der FDP Pforzheim/Enzkreis
von 2001 bis 2011 Fraktionsvorsitzender der FDP im Gemeinderat Pforzheim sowie Mitglied des Landesvorstands der FDP/DVP
seit 2006 Landtagsabgeordneter
seit 2009 Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion
seit 2013 stellv. Landesvorsitzender der FDP Baden-Württemberg
seit 2014 Fraktionsvorsitzender der FDP/Freie Wähler- Fraktion im Gemeinderat Pforzheim
Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016


Ausdauerläufer in den sozialen Netzwerken

Wer den Instagram-Account des 54-Jährigen anklickt, erkennt schnell: Hans-Ulrich Rülke hat ein besonderes Verhältnis zu seinen Laufschuhen. Gerade so, als wolle er der ganzen Welt mitteilen: Bei mir läuft´s. Und auch sonst teilt der FDP-Politiker in den sozialen Netzwerken seine überwiegend politisch bestimmten, aber auch durchaus privaten Momente. Mit seinem Badehosenfoto aus Jugendtagen sorgte er für Schlagzeilen. Aufmerksamkeit für einen, den (noch) nicht viele im Land kennen.

Spitzname "Brüllke"

Dabei sitzt er bereits seit 2006 im Landtag und meldet sich seither häufig und oft sehr lautstark zu Wort. So bekam er auch die Bezeichnung "heimlicher Oppositionsführer", obwohl seine Fraktion nur sieben Köpfe zählt. Rülke spitzt zu und polarisiert. Er ist ein hervorragender Redner und Analytiker, der auch mal übers Ziel hinausschießt: Seit er 2012 mit hochrotem Kopf den Ministerpräsidenten anging, hat er den Spitznamen "Brüllke" weg. Die Partei macht aus seinen Ecken und Kanten einen Wahlkampfslogan: "Du kannst Rülke nicht ändern. Aber Rülke das Land."

Wirtschaftsliberaler alter Schule

Der gelernter Gymnasiallehrer, der Deutsch, Geschichte und Politik unterrichtete, ist in Pforzheim auch kommunalpolitisch aktiv. Im Landtag hat sich Rülke in Sachen "Haushalt" profiliert, meldet sich aber als Fraktionsvorsitzender zu vielen Themen zu Wort. Der Vater dreier Söhne vertritt einen wirtschaftsliberalen Kurs. Sein Fokus liegt auf der Förderung des Mittelstandes. Er will grün-rote Gesetze, die die Wirtschaft belasten, zurücknehmen. Das Bildungszeitgesetz ist ihm beispielsweise ein Dorn im Auge. Rülke hält am viergliedrigen Schulsystem fest. Die Privilegierung der Gemeinschaftsschulen müsse aufhören. In Sachen Flüchtlingspolitik attackiert er den Kurs der Kanzlerin scharf. Sie habe "mit Ihrer Selfie-Kultur eine Willkommenspolitik in Gang gesetzt, die nun fast nicht mehr steuerbar" sei.

Wichtige Rolle beim Kampf ums Stammland

Die FDP kämpft in ihrem Stammland ums politische Überleben. Rülke zeigt sich dennoch sicher, dass die Liberalen bei der Landtagswahl den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen werden. Ihm gefällt die Rolle des eventuellen Mehrheitenbeschaffers. Er sieht sich als Partner für eine neue Regierung, allerdings nicht um jeden Preis. Der langjährige Partner CDU schwächelt dramatisch, derzeit würde es für Schwarz-Gelb nicht reichen. Auf Rülke lastet eine schwere Bürde: Sollten die Liberalen in Baden-Württemberg scheitern, wäre dies auch ein verheerendes Signal für die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Ausdauersportler Rülke kämpft seit Monaten dafür, dass dies nicht geschehen wird.

Autorin: Susan Pfahlbusch