Bitte warten...

Spitzenkandidaten Andrea Nahles - die "Parteiflüsterin"

"Die Parteiflüsterin" nannte sie einmal die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) - einen passenderen Namen könnte es für eine Generalsekretärin wahrlich nicht geben. Doch Andrea Nahles hat sich ihren Status in der SPD hart und gegen Widerstände erarbeiten müssen.

Andrea Nahles in der Wahlkampfzentrale SPD

"Generalin" Nahles in der SPD-Wahlkampfzentrale

Die 43-Jährige polarisierte oft, gilt als linke Vertreterin der SPD, und ihr Machtanspruch gefällt nicht jedem. Inzwischen ist Nahles seit vier Jahren Generalsekretärin der SPD und – fast noch wichtiger – die Organisatorin des Bundestagswahlkampfes 2013.

"Hausfrau oder Bundeskanzlerin"

Geboren wurde Andrea Maria Nahles am 20. Juni 1970 in Mendig in der Eifel, wo sie bis heute auf dem Bauernhof wohnt, der schon ihren Urgroßeltern gehörte. Privat ist die Tochter eines Maurermeisters und einer Finanzangestellten auf dem Boden geblieben, doch beruflich wollte sie schon früh höher hinaus: "Hausfrau oder Bundeskanzlerin" lautete ihr eigener Wahlspruch in der Abiturzeitung von 1989.

Nach dem Abitur studierte Nahles Politik, Philosophie und Germanistik an der Bonner Universität, beginnt danach eine Promotion über den Schriftsteller Walter Scott und den historischen Roman. Da war die Politik schon längst der bestimmende Einfluss in ihrem Leben. Nahles trat 1988 in die SPD ein und gründete nur ein Jahr später den SPD-Ortsverband ihres Heimatdorfes Weiler. 1993 wurde sie Vorsitzende der Jusos in Rheinland-Pfalz, 1995 deren Bundesvorsitzende.

Scharfe Kritikerin der Agenda 2010

Unideologisch war sie damals, eine Pragmatikerin in einer Zeit, als die Jusos ideologische Flügelkämpfe austrugen. Oskar Lafontaine, damals SPD-Chef, nannte sie gar "ein Gottesgeschenk" an die Partei. 1998 zog Nahles das erste Mal in den Bundestag ein, doch vier Jahre später fuhr die SPD in Rheinland-Pfalz ein so schlechtes Ergebnis bei der Bundestagswahl 2002 ein, dass Nahles' Listenplatz für einen Wiedereinzug nicht ausreichte.

Ein Jahr lang arbeitete sie im Hauptstadtbüro der IG Metall, blieb in der SPD aber als Sprecherin des linken Flügels präsent und wurde eine der schärfsten Kritikerinnen der Agenda 2010. Nahles gründete im Mai 2000 das "Forum demokratische Linke" mit und übernahm auch gleich den Vorsitz. Auch sonst verstand es die "begnadete Netzwerkerin" - wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" einmal schrieb - in ihrer Partei präsent zu bleiben: Ab März 2004 leitete sie die wichtige SPD-Arbeitsgruppe zur "Bürgerversicherung", bei der Bundestagswahl im September 2005 kehrte sie in den Bundestag zurück.

Müntefering stürzt über Nahles

Franz Müntefering und Andrea Nahles.

Spürbare Distanz: Müntefering (l) und Nahles

Nahles galt nun als junge "Hoffnungsträgerin" der linken SPD, wie das "Handelsblatt" schrieb. Doch als sie am 31. Oktober 2005 als Gegenkandidatin zu Kajo Wasserhövel, dem Vertrauten des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering, für das Amt als Generalsekretärin kandidierte und auch noch siegte, wurde sie für ihre Partei zur "Königsmörderin". Müntefering trat zurück, Nahles verzichtete zunächst auf alle höheren Ämter in der SPD.

Vier Jahre später war sie zurück: Im Bundestag hatte sie sich als Expertin für Arbeit und Soziales einen Namen gemacht, in der SPD wurde sie 2007 Bundesvize. Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier holte sie 2009 in sein Schattenkabinett für den Bereich Bildung. Am 13. November 2009 wählten sie die SPD-Delegierten dann zur neuen Generalsekretärin. Seitdem ist es um Nahles ruhiger geworden, im Januar 2010 wurde sie als erste Spitzenpolitikerin in Deutschland in ihrem Amt Mutter, eine "unschöne Pionierrolle" nannte sie das.