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Das Wahl-ABC D wie Demobilisierung, asymmetrisch



Asymmetrische Demobilisierung ist ein Begriff, den Politologen erfunden haben, deshalb wirkt er so kompliziert. Asymmetrisch klingt immer gut und irgendwie nach was Neuem - und Demobilisierung als Begriff steht erstmal ziemlich imposant im Raum. Asymmetrische Demobilisierung bedeutet aber im Prinzip nicht mehr als "Keine schlafenden Hunde wecken" - beziehungsweise: "Keine schlafenden Wähler". Das ist der Kern von Angela Merkels Wahlkampf.

Das Prinzip: Wähler von CDU und CSU gehen grundsätzlich eher zur Wahl als Wähler der SPD. Die kommen ins Wahllokal, wenn sie
a) mit irgendwas unzufrieden sind und/oder
b) eine echte Chance sehen, dass ihre Partei an die Macht kommt.
Also sagt die Kanzlerin von der CDU einfach nix, was die SPD-Wähler aufregen könnte. Merkel hält sich raus, aus allem, was in Krawall enden könnte oder auch nur in einer Diskussion. Die Strategie geht sogar noch weiter: Hat die Gegenseite endlich ein gutes Thema gefunden, dann übernimmt es Merkel einfach und will es auch.

Die Folge: SPD-Wähler sind nicht unzufrieden mit der Kanzlerin, die SPD sackt in den Umfragen ab und zum Schluss bleiben am Wahlsonntag mehr SPD- als CDU-Wähler zuhause und die CDU gewinnt die Wahl.

Im Radsport nennt man sowas ein Steherrennen, im Tierreich wäre es eine Schnecke oder ein Seestern - ansonsten kann man es auch ganz gut mit Mikado vergleichen. Das Gegenteil von asymmetrischer Demobilisierung ist übrigens SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der erträgt es nur schwer, wenn eine Viertelstunde mal nichts passiert, geschweige denn einen ganzen Tag. Ob das symmetrisch oder asymmetrisch ist, das ist ihm dabei ziemlich egal.

Autoren: Jan Seidel/tk

Das Wahl-ABC