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Kaum ein System funktioniert so reibungslos wie ein Bienenstaat. Ein Bienenstock ist fast eine Idealgesellschaft. Nicht unbedingt nachahmens-, aber sicher bewundernswert - meint Pascal Fournier in seiner Wochenende-Kolumne "Zwei Minuten".

Am Mittwoch war Welt-Bienentag. Gleich vorweg: Nein, es war nicht Albert Einstein, der gesagt hat, "Erst stirbt die Biene, dann der Mensch". Schönes Zitat - zugegeben. Aber eben nicht von Einstein.

Die Kolumne von Pascal Fournier können Sie hier auch als Audio hören:

Dauer

Zurück zu den Bienen. Tatsächlich sind die kleinen Tierchen ja enorm wichtig. Zweieinhalb Milliarden Euro ist ihre Bestäubungsleistung allein in Deutschland wert, haben Wissenschaftler der Uni Hohenheim ausgerechnet. Wie schön, dass Bienen etwas tun, das sich in Euro und Cent ausdrücken lässt. Wozu sonst auch einen Weltbienentag! Einfach nur, weil es sie gibt? Also bitte!

Dabei kann man von Bienen einiges lernen. Etwa, wie eine ideale Gesellschaft funktioniert. Als Made wird sie noch verhätschelt und vertätschelt, aber für die "erwachsene" Biene wird’s sofort ernst. Was heißt: ARBEITEN! In dieser Reihenfolge: erst Saubermachen, dann die Kleinen versorgen, Häusle bauen, Nahrungszubereitung und -lagerung, danach Wehrdienst: Wache schieben und Stock verteidigen - und wenn sie sich in all diesen Jobs bewährt, sprich: überlebt!, dann darf die verdiente Biene ganz zum Schluss noch ein bisschen ausfliegen. Zum Nahrungssammeln für die anderen, wohlbemerkt! Und dann stirbt sie. In 35 Tagen alles gegeben für das große Ganze. Das ist Gemeinschaftssinn!

Eine Honigbiene mit prallen Pollenhöschen fliegt die Blüten eine Pflaumenbaumes an. (Foto: dpa Bildfunk, Wolfgang Kumm)
Eine Honigbiene mit prallen Pollenhöschen fliegt die Blüten eine Pflaumenbaumes an. Wolfgang Kumm

Über all dem gibt es eine Königin, die auch den ganzen Tag arbeitet - bis zu 2000 Eier am Tag legt - und die ihren Job tunlichst ordentlich versehen sollte! Sonst rebelliert ihr Volk nämlich, zieht eine neue Königin auf und tötet die alte. Und dann gibt es im Stock auch noch ein paar Individuen. Deren Job besteht eigentlich nur darin, es sich gutgehen zu lassen. Jaja, die gibt’s auch im Bienenstock… Drohnen fressen - und paaren sich, wenn’s gut geht, mit einer Königin. Einmal. Danach sterben sie.

Ach ja - hatte ich erwähnt, dass Bienen weltweit seit Jahren mit einer üblen Pandemie zu kämpfen haben? Die Varroa-Milbe bohrt buchstäblich ein Loch in den Bienenkörper und saugt ihn dann aus. Dagegen nimmt sich Covid19 vergleichsweise harmlos aus…

Vor dem Weltbienentag war übrigens Welt-Hepatitis-Tag und Welttag der chronischen Darmerkrankungen. Donnerstag war dann Welt-Tag für kulturelle Entwicklung. Der Platz der Biene ist also zwischen Leberentzündung und den Auswüchsen menschlicher Kreativität. Manchmal glaube ich: Wir nehmen uns vielleicht ein bisserl zu wichtig.

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