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Die Ärzte mit Musik und Interview in den ARD "Tagesthemen": Das hat Tausende unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Kritisiert wurde unter anderem der Tag für diesen Auftritt.

Die "Tagesthemen" am Freitagabend waren anders als sonst: Um auf die Krise der Musikbranche aufmerksam zu machen, ließ sich die Redaktion etwas Besonderes einfallen: Die Punkband Die Ärzte spielte das musikalische Intro und gab auch ein Interview zur Lage von vielen Künstlerinnen und Künstlern und deren fehlenden Einnahmen.

Kultur in Corona-Zeiten Das gab es noch nie: Warum „Die Ärzte“ die Tagesthemen eröffnen durften

Die Punkband Die Ärzte hat am Freitagabend die ARD-Tagesthemen eröffnet. Mit dem Auftritt wollten sie daran erinnern, dass man in der Corona-Krise die Kulturbranche nicht vergessen sollte.  mehr...

Video auf Instagram über eine halbe Million mal abgerufen

Auf Instagram wurde das Video bis Samstagnachmittag mehr als 740.000 Mal aufgerufen. Die Facebook-Posts dazu animierten die Nutzer zu zehntausenden Reaktionen und tausenden Kommentaren. Sven Zett beispielsweise lobte die Aktion:

"Die drei sehen etwas fehl platziert aus und so feiner Stoff, aber es wären nicht die Die Ärzte, wenn sie ihre Reichweite nicht für andere einsetzten."

Facebook-Nutzer Sven Zett

Die Ärzte stellten neues Album auch am Freitag vor

Häufig kritisiert wird das Datum des Auftritts. Am Freitag stellten Die Ärzte auch ihr neues Album vor. Die Vorwürfe reichten bis hin zur "Schleichwerbung". Ein Nutzer meinte, obwohl er die Band möge, finde er es "unglücklich", dass sie gerade in dieser Sendung aufgetreten sei. "Man fühlt sich unwohl, wenn man bedenkt, dass am selben Tage der Ausstrahlung das neue Album der Ärzte erschienen ist. Solche unglücklichen Zufälle kann man vermeiden."

Es seien schließlich "die Tagesthemen" und nicht irgendeine Talkshow, wurde ebenfalls moniert. Der Auftritt wurde auch als "gelungene unkonventionelle Aktion" gelobt. Aber, so schrieb Nutzer Günter Fink:

"Ich hätte mir lieber zu diesem wichtigen Thema gewünscht, dass nicht eine schon so etablierte Band in den 'Tagesthemen' stattfindet, sondern die Redaktion eher einer unbekannten Band dieses große Forum gegönnt hätte."

Facebook-Nutzer Günter Fink

Auch über die Art und Weise ließen sich manche, zum Teil sehr amüsiert, aus:

"Punk ist, wenn man im Maßanzug einen Mini-Gig bei den Tagesthemen hinlegt."

Twitter-Nutzerin "Weidenkätzchen"

"Ich bin erstaunt, dass es so viel Kritik für den Auftritt von #DieÄrzte bei den #Tagesthemen gibt. - Aber hat der deutsche Wutbürger nix zu meckern, wärs halt langweilig."

"Kevner" auf Twitter

Tabea Rößner (Grüne): "Befremdlicher" Auftritt, aber drängendes Thema

Die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) empfand den Auftritt als "befremdlich", wies aber zugleich darauf hin, dass die Band ein drängendes Thema der Corona-Krise angesprochen habe: "Die Not von Kulturschaffenden und Veranstaltungsbranche ist groß. Die Hilfsgelder müssen passgenau ausgestaltet werden, damit sie bei denen ankommen, die sie dringend brauchen." Claas Rohmeyer, ein CDU-Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft, nannte den Auftritt "unerwartet" und "cool". Der Virologe Hendrik Streeck teilte den Beitrag auf Twitter.

Satire-Sendung "Extra3": Endlich kamen "alternative Ärzte" zu Wort

Die Redaktion der Satire-Sendung "Extra3" witzelte hingegen: "Corona-Skeptiker mit ARD versöhnt: Endlich kamen in den Tagesthemen auch 'alternative' Ärzte zu Wort."

Geht doch! #Tagesthemen #DieAErzte https://t.co/ANxh7kF1eE

Farin Urlaub (Die Ärzte): "Wir nehmen Kultur als gegeben hin"

Die Ärzte appellierten in den "Tagesthemen" an die Politik, in der Corona-Krise die Kulturbranche nicht zu vergessen. Ärzte-Sänger Farin Urlaub sagte, das Problem sei, "wir nehmen Kultur als gegeben hin, Kultur ist einfach immer da".

Das Interview mit der Band Die Ärzte in den "Tagesthemen":

"Alle haben Angst, dass die deutsche Kultur verfällt, aber Kultur fördern diese Menschen dann doch nicht!"

Reaktion von _nele_sophie_ in den Sozialen Medien

 
Demo für Kunst und Kultur in München

Mehrere hundert Kulturschaffende haben unterdessen am Samstag unter dem Motto "Aufstehen für die Kultur" in München demonstriert. Sie fordern von der Politik mehr Hilfen in der Corona-Krise. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie können zur Zeit viele Musiker und Schauspieler kaum noch auftreten, viele freie Künstler fürchten deshalb um ihre Existenz. Bei der Demo zählte die Polizei gut 400 Teilnehmende. Ähnliche Kundgebungen waren in Hamburg und Berlin geplant.

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