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Deutsche Rente für Griechen Griechische Bürokratie der Aktenberge

120.000 Griechen bekommen eine Rente aus Deutschland. Die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg ist die Verbindungsstelle dafür. Die Zusammenarbeit ist schwierig.

Griechische Rentner

Viele griechische Rentner haben sich in Deutschland Rentenansprüche erarbeitet

Von Mathias Zahn, Hauptstadtstudio Berlin

35 Millionen Euro fließen monatlich an griechische Rentner in ihrer Heimat, weil sie in Deutschland als Gastarbeiter Rentenansprüche erworben haben. Seit mehr als 50 Jahren kümmert sich die Deutsche Rentenversicherung in Baden-Württemberg darum, dass Griechen ihre Rente aus Deutschland auch bekommen. Dabei müssen 150 Mitarbeiter mit der griechischen Rentenbehörde zusammenarbeiten, damit korrekte Bescheide herauskommen. Diese Kooperation ist schwierig. Die Rentensysteme sind unterschiedlich, und durch die Krise ist die Sache nicht einfacher geworden.

Computer hier - Handschriftliches dort

Das sind zwei komplett unterschiedliche Welten, sagt Hubert Seiter, der Chef der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, die in Karlsruhe ihren Sitz hat. Allein die technische Ausstattung: Während die Deutschen wie selbstverständlich Computer nutzen, arbeiten die Griechen oft noch mit Aktenordnern und Papier. "Wenn's denn eine greifbare Akte wäre, dann wäre es ja noch gut. Aber die Akten sind eigentlich auch relativ unsystematisch: Teilweise gestapelt und es geht so weit - um das mal ganz plastisch zu sagen - dass mangels Technik der Bescheid von Hand geschrieben wird."

Ein Grieche auf der Suche nach seiner Rentenakte

Wenn die Deutsche Rentenversicherung einen Fall klären wolle, dauere es oft ein Jahr lang bis zu einer Antwort der griechischen Kollegen. Zum Teil scheint dort einfach nur Chaos zu herrschen. Hubert Seiter kennt die Geschichte eines Griechen, der zur griechischen Rentenversicherung kommt, um sich seine Rente ausrechnen zu lassen: "Da war es tatsächlich so, dass Berge von Akten relativ unsortiert rumliegen und man wusste sich in der hilflosen Situation nicht anders zu helfen und hat gesagt: 'Suchen Sie sich ihre Akte selber. Wenn Sie sie haben, kommen Sie und dann rechnen wir.'"

Merkwürde Sonderregelungen und Versäumnisse

Einfach zu verstehen war das griechische Rentensystem noch nie. Zum Beispiel habe es immer wieder seltsame Zuschläge gegeben, erzählt Seiter: "So nach dem Motto: Jeder, der in einem Dorf lebt, das kleiner ist als tausend Einwohner, kriegt 300 Euro Zuschlag."

Viele dieser Merkwürdigkeiten hätten sich durch die Rentenkürzungen der letzten Jahre erledigt, sagt Seiter. Die Regierung in Athen hat auch früher übliche Sonderzahlungen wie Urlaubs-, Oster- oder Weihnachtsgeld für Rentner weitgehend gestrichen. Außerdem sollen Hinterbliebene nicht heimlich weiter die Rente von Verstorbenen kassieren können, wie das früher oft der Fall war.

Griechische und deutsche Rente im Vergleich

Deutsche Rentenversicherung

Die Deutsche Rentenversicherung will ihre Amtskollegen in Griechenland unterstützen

Medien-Berichte, wonach die Durchschnittsrenten in Griechenland fast genauso hoch sein sollen wie in Deutschland, seien mit Vorsicht zu genießen, sagt der Fachmann von der Deutschen Rentenversicherung: Es gebe solche Fälle, aber sie seien nicht die Regel, erläutert Seiter: "Man sieht in Griechenland, dass viele Kleinst-Rentner jetzt auf gut Deutsch in der Suppenküche landen. Und das ist sicherlich keine gute Grundlage für den Aufbau eines funktionierenden Staatswesens in Europa."

Hilfe mit Fingerspitzengefühl

Für diesen Aufbau bietet der baden-württembergische Rentenchef die Hilfe der Deutschen Rentenversicherung an. Unterstützt werden soll mit Fingerspitzengefühl - helfen, wenn man gefragt wird und ohne zu bevormunden. "Die Gefahr ist immer recht groß, wenn jetzt die Bürokraten aus Deutschland kommen und sagen, wie es geht." Ein Austausch von Mitarbeitern könnte ein Anfang sein.

Ob es aber wirklich schnell besser wird in Griechenland? Da hat auch Hubert Seiter seine Zweifel. Die Rentenkasse gilt seit langem als schwarzes Loch im griechischen Haushalt. Und die neue Links-Regierung in Athen denkt schon laut darüber nach, im Kampf gegen den Staatsbankrott in die Rentenkasse zu greifen. "Solche Sachen sind brandgefährlich, wenn Vertrauen wachsen soll in Sozialsystem", warnt der Experte aus Karlsruhe.


Onlinefassung: Biggi Hoffmann / Christine Trück