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Der wissenschaftliche Leiter des Hamburger Umwelt Instituts (HUI), Michael Braungart, warnt vor dem massiven Gebrauch von Desinfektionsmitteln. Damit schädige man die Gesundheit, statt sie zu schützen.

Jahrzehntelang habe man daran gearbeitet, giftige Lösungsmittel aus Farben, Lacken und Klebstoffen herauszubekommen. Jetzt würden sich die Menschen Desinfektionsmittel mit gefährlichen Inhaltsstoffen "kanisterweise" ins Haus holen und einatmen. Es sei absurd, was derzeit passiere, sagte Braungart im SWR.

"Mikroorganismen auf der Haut bringen wir jetzt alle um."

Umweltmediziner Braungart

So sei Isopropanol zum Beispiel viel schädlicher als Trinkalkohol. Er trockne die Haut aus, das könne die Grundlage für Dermatosen und Entzündungen sein. Die Haut an den Händen werde spröde und rissig, die gesunde Hautflora ruiniert, das sei bester Nährboden für Viren. Mikroorganismen auf der Haut würden getötet und Resistenzen gefördert. Am Ende erreiche man genau das Gegenteil dessen, was gewollt sei.

Dazu komme, dass Lösungsmittel in den Desinfektionsflüssigkeiten Asthma auslösen und die Lunge schädigen könnten. Überdies enthielten manche Mittel Geruchsstoffe, die Krebs erzeugten;  flüchtige organische Kohlenwasserstoffe seien nervenschädigend.

"Desinfektionsorgien - dümmer geht's eigentlich nicht."

Umweltmediziner Braungart

Der Umweltmediziner sprach von "Desinfektionsorgien", die er nicht nachvollziehen könne. Sorgfältiges Händewaschen mit Kernseife reiche auch in der derzeitigen Pandemie völlig aus. Alternativ könnten die Menschen Handschuhe tragen.

Braungart forderte, gesundheitsschädliche Desinfektionsmittel mit Warnhinweisen zu versehen. In Ausnahmefällen könne es sinnvoll sein, solche Lösungen oder Gels zu nutzen, allerdings nicht, um das Händewaschen zu ersetzen, so der Mediziner.

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