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Der geplante Glücksspielstaatsvertrag holt Online-Casinos und Online-Poker aus der Illegalität. Dass es die Gängelung von Automatenaufstellern und Spielhallenbetreibern fortsetzt, kann Martin Rupps nicht nachvollziehen.

Von Juli an sollen deutschlandweit Online-Casinos öffnen dürfen. Auch virtuelle Automatenspiele und Online-Poker sind dann erlaubt. Dies sieht der Entwurf eines Glücksspielstaatsvertrages vor, über den der baden-württembergische Landtag am Mittwoch debattiert hat. 13 der 16 Bundesländer müssen zustimmen, damit der Vertrag in Kraft tritt. Sein Hauptzweck: Glücksspiel im Netz aus der Illegalität zu holen. Lotto Baden-Württemberg hat bereits eine "seriöse Alternative zu privaten oder möglicherweise illegalen Glücksspielprodukten" angekündigt.

Länder verdienen am Boom mit

Eine solche Legalisierung erscheint mir sinnvoll. "Kannst Du den Feind nicht besiegen, umarme ihn", lautet eine Volksweisheit. Dass der Gesetzgeber ganz nebenbei den Weg dafür frei macht, dass die Länder an diesem Boom mitverdienen, finde ich okay. Dann wird mit dem Geld - vielleicht - etwas Sinnvolles angestellt.

Spielautomaten in einer Spielhalle (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Amelie Geiger/dpa/Amelie Geiger)
Der zum 1. Juli geplante Glücksspielstaatsvertrag könnte für viele Spielhallen das Aus bedeuten picture alliance/Amelie Geiger/dpa/Amelie Geiger

Was mir nicht einleuchtet, ist die fortgesetzte Knebelung von Automatenaufstellern und Spielhallenbetreibern. Immer weniger Automaten dürfen in Kneipen stehen. Immer weiter müssen Spielhallen voneinander bzw. von Kinder- und Jugendeinrichtungen entfernt sein. Weniger Automaten bedeutet nicht zwangsläufig, dass weniger gespielt wird. Die neuen Abstandsregeln erscheinen mir als Vorwand, einige der Betriebe schließen zu dürfen. Auch der Abstand von Kindergärten oder Schulen ist so eine Scheinwohltat. Für Personen unter 18 sind Spielhallen sowieso tabu.

Weniger Automaten bedeutet allerdings zwangsläufig, dass weniger Menschen von dieser Branche leben können. Und was gern unterschlagen wird: Kneipenbetreiber sind auf den Umsatz aus dem Glücksspiel dringend angewiesen. Ich finde es moralisch wohlfeil, das Glücksspiel weiter zu gängeln, wenn dadurch Beschäftigte ihre Arbeit verlieren und Menschen immer weniger Orte haben sich zu treffen.

Mit diesem Glücksspielstaatsvertrag bekommt die Politik den einsamen, schwer kontrollierbaren Heimspieler, den sie verdient.

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