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Wenn schon nicht CDU-Vorsitzender so doch wenigstens Wirtschaftsminister, das fordert Friedrich Merz für sich selbst. Mehr Selbstbezogenheit und Hybris geht kaum, meint Stefan Giese in seinem Kommentar.

Friedrich Merz will nun also Bundeswirtschaftsminister werden, nachdem auch sein zweiter Anlauf, Vorsitzender der CDU zu werden, gescheitert ist. So hat er es am Samstag per Tweet unmittelbar nach seiner Niederlage gegen Armin Laschet mitgeteilt. Wenn schon nicht der CDU-Parteivorsitz und möglicher Kanzlerkandidatur, so soll doch wenigsten ein bedeutendes Ministerium für ihn herausspringen - als Trostpreis, als zweite Wahl, als Plan B.

Interview mit dem Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke: Laschet steht vor Mammutaufgaben:

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Ganz nebenbei bringt Merz damit zum Ausdruck, dass er sich selbstverständlich für den besseren Wirtschaftsminister hält als Amtsinhaber Peter Altmaier (CDU). Er lässt selten Zweifel daran, dass er sich anderen gegenüber überlegen fühlt, sei es Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Armin Laschet. Dass es im Ernstfall stets eine wahlentscheidende Mehrheit anders sah, hat seinem überbordenden Selbstbewusstsein – man könnte es auch Hybris nennen – keinen Abbruch getan.

Es stört Merz offensichtlich auch nicht, dass er mit dem Vorschlag, sich selbst mit einem Ministerposten zu belohnen, seiner Partei schadet, die tief gespalten in ein "Superwahljahr" geht. Unmittelbar nachdem ein akutes Personalproblem abgeräumt wurde – nämlich das um den Parteivorsitz –, zaubert er ein neues aus dem Hut, und das hat nur einen Namen: Friedrich Merz. Damit sorgt er dafür, dass sich die CDU weiterhin mit sich selbst beschäftigen muss. Mehr Selbstbezogenheit geht kaum.

Immer von sich selbst überzeugt: Friedrich Merz (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Michael Kappeler)
Immer von sich selbst überzeugt: Friedrich Merz picture alliance/dpa | Michael Kappeler

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