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Wie Darts, ein langweiliger Sport mit bäuchigen Akteuren, so populär werden konnte, wird Martin Rupps immer ein Rätsel bleiben.

Zu den ungelösten Fragen der Schöpfung gehört, wie der Darts-Sport so populär werden konnte. In diesen Tagen bis Anfang Januar trägt die Professional Darts Corporation ihre Weltmeisterschaft in London aus, was Millionen Euro in Wettbüros pumpt und Millionen Menschen vor den Bildschirmen mitfiebern lässt. Dabei werfen doch nur zwei Leute Pfeile auf eine Scheibe.

Vielleicht bin ich altmodisch. Für mich hat Sport nicht nur mit schnellen Geschwindigkeiten oder Treffgenauigkeit zu tun, sondern mit Ästhetik und Athletik. Eine Eiskunstläuferin erobert mit ihrer schönen Kür mein Herz. Der Skispringer legt einen adlerhaften Flug hin. Der Ringer erinnert an Olympia im antiken Griechenland.

Und der Darts-Sportler? Wirft mit einer halben Armbewegung einen Pfeil! Auch von den Akteuren selbst geht kein Glanz aus. Sie tragen Allerwelt-T-Shirts, Tattoos und Bäuche - so sieht es für mich aus. Fleischberge gehören in diesem Sport offenbar zur Wettkampfvorbereitung.

Für das Aufhübschen der Sportart wird einiges getan. Die Champions bekommen (oder geben sich?) martialische Spitznamen. Michael van Gerwen zum Beispiel wird zum Mighty Mike („Mächtiger Michael“). Peter Wright ist der Snakebite („Schlangenbiss“), und er färbt Kopf- und Barthaar so bunt wie Pelikane – vielleicht, damit das Wurfgeschoss besser fliegt?

Ein Darts-Wettkampf ist eine moderne Messe. Jeder Spieler hat eigene Kirchenbänke für seine Fans. Streckt ein Spieler seinen Finger in die Luft, bricht Gekreische los. Ein katholischer Pfarrer könnte neidisch werden. Und sich von „Schlangenbeißern“ was abgucken.

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