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Darknet-Software "TOR" Die Bösen und die Guten im "Zwiebel-Netzwerk"

Forschung kann gute und negative Auswirkungen haben. Ein Beispiel dafür ist "TOR" - eine Software, die ins kriminelle Internet, das Darknet, führt.

Es gibt Menschen, die bestellen online nicht nur harmlose Bücher, CDs oder Schuhe, sondern Drogen, Waffen und Kinderpornographie. Kriminelle nutzen virtuelle Marktplätze, die für den normalen Internetnutzer kaum sichtbar sind. Denn ihr Zugang ist meistens nur mit einer speziellen Software möglich. Die aber gibt es kostenlos im Netz und wird sogar von der US-Regierung mitfinanziert.

Zugang zum Darknet bekommt man über "TOR". Die Abkürzung steht für "The Onion Router", also in etwa "Das Zwiebel-Netzwerk". Es geht um ein vielschichtiges Netzwerk von Rechnern, auf denen eine bestimmte Software geladen und installiert wurde, eben der TOR-Browser, den es kostenlos für Windows, Linux oder Apple-Geräte gibt - sogar für Smartphones.

Dieser Browser sucht automatisch nach anderen Teilnehmern des Netzwerkes. Wer nun eine Webseite über den TOR-Browser aufrufen will, wird nicht direkt dorthin geleitet. Stattdessen baut der Browser eine verschlüsselte Verbindung mit irgendeinem der anderen Teilnehmer auf. Dieser Rechner leitet die Anfrage nochmals weiter – ganz nach dem Zwiebelschalenmodell. Erst nach drei Zwischenstationen wird die ursprüngliche Anfrage auf die gesuchte Webseite gelenkt und das Ergebnis über den selben Weg - ebenfalls verschlüsselt - wieder zurückgeschickt.

Ehemals Forschungsprojekt für die US-Marine

Wer die Kommunikation von außen anzapft, ist nicht in der Lage zu sehen, wer dahinter steht und worum es geht. Ein Vorteil für illegale Geschäftemacherei, aber auch für alle anderen, die ihre Kommunikation schützen wollen, betont Roger Dingledine. Er ist einer der wenigen hauptamtlichen Mitarbeiter des TOR-Projektes, das 2002 als Forschungsprojekt für anonyme Kommunikation für die amerikanische Marine begann: "Wir haben Gelder vom US-Verteidigungsministerium bekommen, vom Außenministerium, vom schwedischen Außenministerium. Es gibt eine Menge Einrichtungen in der Welt, die den Wert von sicherer Online-Kommunikation erkennen."

In den USA als gemeinnützig anerkannt - und kritisiert

Mittlerweile ist das Projekt in den USA als gemeinnützig anerkannt und finanziert sein Jahresbudget in Höhe von zwei Millionen Dollar noch immer zu 60 Prozent aus US-Regierungsquellen und ansonsten weitgehend aus Spenden. Die Geschichte und Finanzierung der Software, die die beste Garantie für Anonymität im Internet gibt, ist symbolträchtig: Sie wird von der Regierung gefördert, aber gleichzeitig von einigen Polizisten als kriminelles Werkzeug angegriffen. Dingledine sagt: "Wenn du mit FBI-Beamten sprichst, gibt es welche, die es gerne sehen würden, wenn TOR verschwinden würde. Aber gleichzeitig benutzen viele von ihnen es auch und verlassen sich drauf in ihrem Job."


Vom Frontsoldaten bis zum Freiheitsaktivisten genutzt

55.000 Nutzer hat das Netzwerk an einem durchschnittlichen Tag in den USA, mit 32.000 Nutzern steht Deutschland auf dem zweiten Platz, gefolgt von Iran, Italien, Frankreich, Südkorea, Spanien, Russland. Es sind Polizeiermittler, Frontsoldaten, Journalisten, Freiheitsaktivisten, aber auch Geschäftsleute, die den sicheren Internetzugang benutzen - denselben, der einige andere auch ins Darknet führt.

Autor: Kai Laufen, SWR Reporter und Recherche, Onlinefassung: Biggi Hoffmann