STAND

Höheres Konzernergebnis, mehr Geld für die Aktionäre: Daimler ist respektabel durch das Krisenjahr 2020 gekommen. Für dieses Jahr rechnen die Stuttgarter mit kräftigem Wachstum.

Der Autohersteller Daimler blickt optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. 2021 werde der Konzern bei Absatz, Umsatz und Gewinn deutlich zulegen, teilte das Unternehmen mit. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge versteht Daimler darunter ein Plus bei Umsatz und Absatz von mehr als 7,5 Prozent, beim Betriebsergebnis sogar einen Sprung um mehr als 15 Prozent.

Daimler ist gut durch die Krise gekommen

Schon das vergangene Jahr lief für Daimler besser als erwartet. 2020 verbuchte das Unternehmen unterm Strich trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie einen auf die Aktionäre entfallenden Gewinn von 3,6 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung im Vorjahresvergleich von 50 Prozent. Rund 1,4 Milliarden Euro will Daimler als Dividende an die Aktionäre ausschütten; das entsprächen 1,35 Euro pro Aktie und damit 45 Cent mehr als im Vorjahr. Zugleich ist der Absatz von Daimler im letzten Jahr zurückgegangen: 2,8 Millionen weniger Nutzfahrzeuge und Autos haben die Stuttgarter im vergangenen Jahr verkauft, ein Minus von rund 15 Prozent. Die positiven Geschäftszahlen - vor allem ein Resultat des Sparkurses, den der Konzern derzeit fährt.

Hohe Ziele bei Daimler für 2021

Das Jahr 2020 sei ein Stresstest gewesen, den das Daimler-Team sehr gut gemeistert habe, so Konzernchef Ola Källenius. Vor allem dank der raschen Erholung des Geschäfts in China konnte Daimler in den vergangenen Monaten aufholen. Finanzvorstand Harald Wilhelm sprach in Hinblick auf die Ergebnisse von einer "Teamarbeit". Außerdem hätten sich die Märkte deutlich besser erholt als erwartet.

"Wie sind zuversichtlich, dass wir unsere positive Dynamik beibehalten können."

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

Nun blickt der Konzern zuversichtlich auf das laufende Jahr. Sollte es wegen der Corona-Pandemie keine weiteren Rückschläge geben, rechnet Daimler mit einer deutlichen Steigerung bei Absatz, Umsatz und Gewinn. Rückenwind für die geplante Aufspaltung des Konzerns in eine PKW und LKW-Einheit. Bis Ende des Jahres, so bestätigte Daimler heute, soll der LKW-Bereich als "Daimler Truck AG" an der Frankfurter Börse platziert werden. Die PKW-Sparte soll dann den Namen "Mercedes-Benz AG" führen.

Für die von der Pandemie besonders gebeutelte Bus- und Lastwagensparte rechnet Daimler in diesem Jahr mit einer bereinigten Umsatzrendite von 6 bis 7 Prozent. Im Geschäftsfeld "Autos und Vans" strebt der Konzern für 2021 eine Marge von 8 bis 10 Prozent an. Ähnliche Renditeziele hatte sich Daimler in der Vergangenheit auch in "Normalzeiten" gesetzt.

Rücknahme des Sparkurs für Daimler-Chef Källenius kein Thema

Forderungen von Arbeitnehmervertretern, angesichts der guten Zahlen und Prognosen beim Sparprogramm des Konzerns nachzubessern, erteilte Daimler-Chef Källenius hingegen heute eine Absage. "Wir brauchen grundsätzlich über die nächsten Jahre eine strukturelle Kostenverbesserung", so der Vorstandsvorsitzende. Eine pauschale Rücknahme der mit den Arbeitnehmern vereinbarten Arbeitszeitverkürzung lehne er daher ab.

Um den Konzern in der Pandemie und in Hinblick auf die Elektrifizierung der Antriebe gut aufzustellen, hatte Daimler im vergangenen Jahr Arbeitszeiten und Gehälter vieler Beschäftigter gekürzt. Dass Daimler daran nicht rütteln will, stößt Arbeitnehmervertretern sauer auf. Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, warf dem Daimler-Management im Radioprogramm SWR Aktuell vor, die Pandemie für Lohn-Dumping zu missbrauchen. Die Beschäftigten müssten derzeit eine hohe Nachfrage beispielsweise aus China bedienen. Zugleich liefen aber die Sparprogramme weiter.

"Das macht mich fuchsteufelswild!...Die Arbeitgeberseite versucht offensichtlich, den Beschäftigten in die Tasche zu greifen. Das ist nicht nur ein Daimler-Thema, sondern im Prinzip ein Thema der ganzen Branche."

Roman Zitzelsberger, IG Metall Baden-Württemberg

Audio herunterladen (2,9 MB | MP3)

Bereits vor der Veröffentlichung der Jahresbilanz hatte der Chef des Daimler-Gesamtbetriebsrats, Michael Brecht, gegenüber dem SWR gefordert, die Arbeitszeitkürzung zurückzunehmen, die Daimler im vergangenen Jahr mit den Arbeitnehmern zur Bewältigung der Krise verhandelt hatte.

Konzern spricht von "historischem Moment" Daimler spaltet sich auf und geht mit Lastwagen-Sparte an die Börse

Nun ist es offiziell: Der Stuttgarter Auto- und Lastwagenbauer Daimler will sich erneut komplett umbauen. Im Zuge dessen will das Unternehmen seine Truck-Sparte an die Börse bringen.  mehr...

Stuttgart

Starkes viertes Quartal rettet die Bilanz Trotz Corona: Daimler erwirtschaftet mehr Gewinn als erwartet

Rund 6,6 Milliarden Euro Gewinn hat Daimler im vergangenen Jahr eingefahren. Auch für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einer guten Geschäftsentwicklung.  mehr...

Krise in der Autoindustrie E-Mobilität als neue Chance für die Zulieferbranche?

Die Coronapandemie, der schwächelnde Absatz und der Wechsel in die Elektromobilität bereiten allen Autoherstellern und Zulieferern Sorgen. Es gibt allerdings auch Ausnahmen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN