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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat heute Covid-19-Genesene ins Schloss Bellevue eingeladen. Auch Joachim Huber ist dabei. Er wünscht sich, dass wir alle mehr über die Überlebenden sprechen.

"Mehr Querdenker und Corona-Leugner als Betroffene im Fernsehen"

Joachim Huber leitet das Medien-Ressort beim Tagesspiegel in Berlin. Ursprünglich kommt er aber aus Stuttgart. Im März war er einer der Ersten, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Er hatte eine Lungenembolie, Nierenversagen, einen Herzinfarkt und er lag im Koma. Davon soll er heute beim Bundespräsidenten erzählen.

Gerade jetzt nach dem Wochenende sei er wegen der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Leipzig entsetzt. "Ich habe mehr Fernsehbilder mit Querdenkern und Corona-Leugnern gesehen, als von Patienten oder Überlebenden. Da ist es mir wichtig, dass ich denen Stimme und Gesicht gebe", sagte er im Bezug auf den Besuch beim Bundespräsidenten.

Die Enttäuschung und das Unverständnis gegenüber der Demos am Wochenende teilt er mit Frank-Walter Steinmeier. Der hat sich heute bei dem Treffen geäußert.

Schwere Covid-19-Erkrankung

"Ich habe sämtliche Muskeln während des künstlichen Komas verloren. Die schmelzen da wie Butter in der Sonne", sagte Huber im SWR. Er ist 62 Jahre alt und eigentlich hätte er 92 werden wollen, erklärt er scherzhaft: "Man kann mit 62 sterben, muss man aber nicht." Unbewusst oder bewusst hätte er einfach weiterleben und das Leben so gut es geht genießen wollen.

Für seine Familie sei die schwerste Zeit gewesen, als sie ihn im Krankenhaus nicht besuchen durften. Frau und Tochter konnten nur einmal am Tag in der Klinik anrufen "um zu erfragen, ob ich noch lebe, oder nicht".

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