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In den letzten Wochen wurde viel darüber diskutiert, ob Präsenz-Gottesdienste an Weihnachten sinnvoll sind. Der Bamberger Erzbischof Schick möchte den Streit beenden und sucht nach Kompromissen.

"Wer das Ziel kennt, der findet seinen Weg", sagt Ludwig Schick, der Bamberger Erzbischof. Er fordert, den Streit umd Einschränkungen bei den Weihnachts-Gottesdiensten einzustellen. Die Debatte von Politik, Medien und auch Kirchen hätte in den vergangenen Tagen viel unnötige Hektik in der Vorweihnachtszeit erzeugt. Schick sagte in seiner Predigt zum vierten Advent: "Wer die wahre Weihnacht sucht, wird auch seine Form finden und dabei vorsichtig genug sein, alles ihm Mögliche zu tun, um Infektionen mit Covid-19 zu verhindern."

Schick: Die Feier wird für die meisten Menschen anders sein

Weihnachten in der Corona-Krise solle jeder so feiern, wie es im möglich sei, erklärte Schick. Das könne beim Gottesdienst, am Fernseher, im Livestream oder in einer Hausandacht sein. "Auf die Feier des Christfestes kommt es an, die Feierform soll helfen, dass Gott bei uns einkehrt und bei uns mit seinem Frieden und seiner Freude wohnt." Alt und Jung, Familien und Alleinstehende müssten ihre Form finden. Schick sieht aber auch Positives, denn bei allem Ungewohnten und Notvollem könne dies auch eine Chance sein, "die wahre Weihnacht" mehr zu entdecken.

Gottesdienste in Zeiten von Corona sind oft prägnanter und experimenteller und erreichen so mehr Menschen. Von diesen Erfahrungen berichtet Juliane Rummel aus dem Studio Freiburg.

Laschet sieht Gottesdienste skeptisch

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist wegen der hohen Corona-Infektionszahlen skeptisch, was Gottesdienste mit Besuchern an Weihnachten angeht. "In den nächsten Tagen werde ich angesichts der aktuellen Lage noch einmal Gespräche mit den Kirchen führen", sagte Laschet dem Berliner "Tagesspiegel". Laut Laschet nehmen die Glaubensgemeinschaften die Lage aber sehr ernst und wüssten, dass man abwägen muss. Die Evangelische Kirche von Nordrhein-Westfalen habe schon gesagt, dass sie Gottesdienste auch absage. Denn die Zahlen der vergangen Tagen würden nahelegen, dass man noch vorsichtiger sein müsse, so Laschet.

Umfrage: 50 Prozent sprechen sich für ein Verbot öffentlicher Weihnachts-Gottesdienste aus

Laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprechen sich 50 Prozent für ein Verbot öffentlicher Weihnachts-Gottesdienste aus. Nur 35 Prozent sind der Umfrage zufolge für die Gottesdienste, 15 Prozent machten keine Angaben.

Ein offizielles Verbot gibt es nicht

Während der ersten Corona-Welle zu Ostern hatten Bund und Länder öffentliche Gottesdienste verboten. Bei den jetzigen Corona-Schutzmaßnahmen hat man sich allerdings dagegen entschieden - trotz höherer Infektions- und Todeszahlen. In den Kirchen gelten aber strenge Regeln: Masken, Abstandgebot und Gesangsverbot. Die großen christlichen Kirchen hatten mit großem Verständnis auf die Einschränkungen reagiert.

Das planen die Kirchen im Südwesten

In extremen Corona-Hotspots in Baden-Württemberg werden an Weihnachten wohl keine Präsenzgottesdienste stattfinden. Kirchengemeinden ab einer Inzidenz von 300 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sollten auf Präsenzgottesdienste verzichten, sagten die katholischen und evangelischen Kirchenleitungen in Baden-Württemberg am vergangenen Mittwoch. Bei Gottesdiensten mit Besuchern seien maximal 200 Besucher erlaubt, die sich zuvor anmelden müssten.

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In Rheinland-Pfalz gibt es Präsenz-Gottesdienste, jedoch ebenfalls mit beschränkter Personenzahl, Mindestabstand, Masken und ohne Gesang. Sollte an Weihnachten eine Überfüllung der Kirchen drohen, besteht eine vorherige Anmeldepflicht. Das Bistum Mainz weitet wegen des Lockdowns sein Online-Angebot aus.

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Kirchengemeinden im Protestantischen Kirchenbezirk Ludwigshafen haben sich wegen der hohen Infektionszahlen entschlossen, an Weihnachten ganz auf Gottesdienste in den Kirchen zu verzichten, wie die Gemeinden Oggersheim, Rheingönheim und Gartenstadt. Andere evangelische Gottesdienste in Ludwigshafen werden zum Teil zeitlich verschoben.

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