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Rund 300 Unternehmen aus Baden-Württemberg haben in China Werke oder Niederlassungen. So treffen sie Sicherheitsvorkehrungen gegen das tödliche Coronavirus.

Der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg aus Künzelsau (Hohenlohekreis) wird vorerst keine Mitarbeiter mehr nach China reisen lassen. Zudem will das High-Tech-Unternehmen mit weltweit 4.100 Beschäftigten im April nicht an einer Messe in China teilnehmen. Auch Bosch, Daimler, Würth und ZF Friedrichshafen betreiben dort Werke oder haben Niederlassungen. 26 Menschen sind in China bereits am Coronavirus gestorben. Mehrere Millionenstädte sind abgeriegelt worden, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. In Europa gibt es die ersten Verdachtsfälle.

Bosch hat in Wuhan zwei Werke

In der chinesischen Millionenstadt Wuhan war das Virus zum ersten Mal aufgetreten. Der weltweit größte Automobilzulieferer Bosch mit Sitz in Stuttgart betreibt dort zwei Werke. Eine Bosch-Sprecherin sagte dem SWR, angesichts der Lage richte man ein noch stärkeres Augenmerk auf das Thema Sicherheit und Gesundheit. Dabei gehe es unter anderem um die Belüftung von Gebäuden und um verstärkte Desinfektion von Arbeitsflächen. Derzeit sind beide Werke in Wuhan wegen des chinesischen Neujahrsfests geschlossen.

Auch der Softwarekonzern SAP aus Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis), der in Wuhan erst neulich ein Büro eröffnet hat, traf Vorsichtsmaßnahmen: Das Unternehmen teilte dem SWR mit, es beobachte die Situation sehr genau. "In allen unseren Regionalbüros wurden die Präventivmaßnahmen verstärkt, z.B. Räume häufiger desinfiziert. Zudem hat SAP die Bestände an Desinfektionsmitteln, Schutzmasken und Thermometern erhöht", sagte ein Unternehmenssprecher. Bei Bedarf könnten die Mitarbeiter auch im Homeoffice arbeiten.

Bei Daimler noch keine Reisewarnung

Der Autohersteller Daimler klärt seine Mitarbeiter derzeit vor Chinareisen über das Corona-Virus auf. Eine pauschale Reisewarnung werde derzeit aber nicht ausgesprochen, heißt es vom Stuttgarter Auto-Konzern, der in China sehr stark präsent ist und dort auch gerade sein zweites Forschungs- und Entwicklungszentrum mit einer Investitionssumme von 145 Millionen Euro aufbaut.

Coronavirus bislang wenig ansteckend

Bisher wird angenommen, dass das Corona-Virus durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten übertragen wird. Die meisten Fälle betreffen nach wie vor die chinesische Metropole Wuhan. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich Menschen bislang nur bei engem Kontakt mit Infizierten angesteckt, also in der Familie oder in Arztpraxen. Allerdings gelten Coronaviren als sehr anpassungsfähig. Das heißt, Veränderungen im Erbgut könnten das neue Virus gefährlicher und ansteckender machen.

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Wuhan ist abgeriegelt

Die Millionenstadt Wuhan sowie weitere Städte wurden abgeriegelt. Sie werden von Flugzeugen, Zügen oder Schiffen nicht mehr angesteuert und die Bewohner wurden aufgerufen, einen Mundschutz zu tragen. Das Auswärtige Amt rät auf seiner Internetseite dazu, nicht notwendige Reisen nach Wuhan vorerst zu verschieben. Das Amt schätzt das generelle Risiko einer Infektion für deutsche Reisende dort bislang aber als "moderat" ein.

Lufthansa-Partner hat Flüge gestrichen

Die Lufthansa verfolgt den Verlauf der Infektionskrankheit momentan sehr aufmerksam. Die Fluggesellschaft fliegt die Provinz Hubei — in der die Stadt Wuhan liegt —selbst nicht an. Allerdings gibt es dorthin Flüge von Air China, einem Lufthansa-Star-Alliance-Kooperationspartner, die ab 23. Januar aber gestrichen wurden. Grundsätzlich gebe es bei Infektionskrankheiten, unabhängig von den aktuellen Coronavirus-Fällen, aber klare Verfahrensregeln an Bord, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

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