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Der Lockdown geht weiter - der Einzelhandel ist entsetzt: Die Geschäfte bleiben vorerst weiter zu. Und es könnte sein, dass nicht mehr viele überleben, wenn Corona endlich überwunden ist. Wie bleiben die Innenstädte attraktiv?

"Neu ist das Problem mit der Verödung der Stadtzentren nicht", sagt Karl-Heinz Frieden vom Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz im SWR. Der Wandel vollziehe sich schon seit geraumer Zeit. "Aber man kann sagen, Corona hat wie ein Brandbeschleuniger gewirkt." Darunter leiden nicht nur die Geschäfte: Auch bei vielen Hotels und Restaurants sei unsicher "wer nach Corona seine Geschäftstür öffnet."

Dabei sind größere und wirtschaftlich stärkere Städte nach Einschätzung des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz im Vorteil: Ein bevölkerungsreicher Raum wie Mainz werde "eher mit einem blauen Auge" davonkommen, als strukturschwache Städte wie Pirmasens.

Ein guter Plan alleine reicht nicht

In jedem Fall müssen die Kommunen reagieren, betont Frieden. Und das werde alles andere als einfach. Nicht, weil es keine Pläne für eine Wiederbelebung der Stadtzentren gebe. Das Bündnis "Soziales Wohnen" zum Beispiel will den Leerstand in Wohnraum umwandeln.

Ein Hindernis seien aber meist die Eigentumsrechte: Wem gehört das leerstehende Gebäude und wer entscheidet über die künftige Nutzung? "Da brauchen die Kommunen weitere Handlungsspielräume, die den Zugriff auf das Eigentum ermöglichen," fordert Frieden.

Er wünscht sich ein Vorkaufsrecht der Kommunen und mehr Kompetenzen beim Erlass städtebaulicher Gebote: "Es darf nicht sein, dass die Kommune zum Zuschauer wird und den Wandel nicht beeinflussen kann."

Architekt: "Wir haben zu lange nur Shopping Malls gebaut!"

Allerdings: Bei großen Gewerbeimmobilien stünden meist Fondsgesellschaften dahinter, "die ganz gut damit klarkommen, wenn sie eine Zeit lang einen Leerstand zu verbuchen haben", sagt Matthias Schuster von der Architektenkammer Baden-Württemberg. Objekte in Privatbesitz seien meist kleiner und seltener.

Für Schuster bietet sich nach Corona aber die Chance, eine Fehlentwicklung vergangener Jahre zu korrigieren. Viel zu lange seien die Innenstädte nur als Einkaufszentren gesehen worden. "Viele dieser Immobilien sind als Industriebauten offen in den Nutzungspotentialen. Und Wohnen ist ein Teil davon."

Städteplaner: "Die Stadt als Bühne sehen!"

Einen neuen Ordnungsrahmen zur Nutzung aufgegebener Geschäfte oder brachliegender Flächen hält auch der Nürtinger Städteplaner Oliver Frey für dringend nötig.

Allerdings müssten die Kommunen dann auch aufhören, ständig neue Gewerbegebiete auf der grünen Wiese zu genehmigen und anfangen, die Planung der Innenstädte "ganzheitlich" zu sehen, fordert Frey im SWR: "Alle Forschungen zeigen, dass eine lebendige Urbanität auch die Rolle von Kunst und Kultur als Motor von Innenstadtbelebung sieht."

Ein neuer Rechtsrahmen reiche dafür nicht: Es müsse eine Begeisterung der Bewohnerinnen und Bewohner für ihre Stadt erzeugt werden. "Wichtig ist, dass im Städtle was los ist. Dann geht man auch gerne in die Stadt." Die City müsse zur Bühne der Selbstdarstellung werden, zur Kulisse für Fotos auf Instagram. Begegnung, Feier, das Schwätzchen nach dem Markt: Dafür sehe er gut Ansätze, sagt Frey, "die man nach Corona stärken wird."

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