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Der Druck auf die Arbeitgeber wächst - die Politik will regelmäßige Corona-Schnelltests für Berufstätige. Das wäre gut für ihren Schutz, kommentiert SWR-Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser.

Eltern kennen das Problem: Zunächst einmal versucht man es bei den lieben Kleinen mit Freiwilligkeit und Einsicht, mit der Bitte, sich doch die Schuhe anzuziehen, sich die Hände zu waschen oder die Zähne zu putzen. Doch wenn all dies nichts hilft, dann geht es eben nur mit Vorschriften und klaren Regeln. Das ist nicht immer schön, muss aber leider manchmal sein.

Den Druck erhöhen für Unternehmen

Nun sind gestandene Unternehmen gewiss keine kleinen Kinder. Und immerhin 20 von 30 großen Dax-Konzernen in Deutschland haben angekündigt, nun zu testen oder wollen es möglichst bald tun. Viel zu viele Unternehmen tun es aber nicht und haben es auch gar nicht vor. Und deshalb gilt auch für Sie: Wenn freiwillig nichts oder nicht genügend geschieht, muss eben der Druck erhöht werden.

Übrigens würden mir da auch noch andere Themenfelder für mehr staatlichen Dirigismus einfallen: die Frauenquote etwa, das Recht auf Homeoffice für Arbeitnehmer oder das Verbot von Kindermarketing bei Lebensmitteln, insbesondere Süßigkeiten. Allzu oft jedenfalls hat sich die Politik – allen voran die Union – hier gutgläubig, vielleicht auch naiv, oft jedenfalls ohne auf Warnungen etwa von Verbraucherschützern und Gewerkschaften zu hören, auf freiwillige Selbstverpflichtungen und Absichtsbeteuerungen der deutschen Wirtschaft verlassen. Viel zu oft, finde ich - und wurde dann bitter enttäuscht.

Konsequenz beim produzieren und testen

Das ändert sich nun. Und das finde ich gut. Denn es ist konsequent. Wer – wie die deutsche Wirtschaft – alles dafür tut, die Industrieproduktion trotz Corona-Pandemie offen zu halten, um weiter fleißig Autos, Maschinenteile oder Chemikalien produzieren und in die Welt hinaus verkaufen zu können, der sollte auch so konsequent sein, seine Mitarbeiter, die es dafür braucht, zu schützen, und sie zu testen. Solange dies – mangels ausreichendem Impfstoff – die einzige Möglichkeit ist, Ihnen ein bisschen Sicherheit in unsicheren Zeiten zu bieten. Und wenn dies, wie die in den Betrieben gut vernetzten Gewerkschaften nun rückmelden, allzu oft nicht funktioniert und auch die Arbeitgeber einräumen müssen, dass das mit der Freiwilligkeit nicht immer klappt - dann muss es eben ein bisschen Zwang sein. Nicht immer schön, aber hilfreich eben.

Und dann ja vielleicht auch beispielgebend für so manch andere Selbstbeteuerung der Wirtschaft, wo schönen Worten nicht mehr viel gefolgt ist. Denn manchmal muss man zu seinem Glück eben auch gezwungen werden, siehe Mindestlohn - zum Wohle aller. Deshalb finde ich es gut, wenn nun eine Testverpflichtung der Unternehmen kommt. Wie die Kinder es einem ja hoffentlich auch eines Tages danken werden, dass man sie heil und gesund großgezogen hat.

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