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In Deutschland sind am Wochenende wieder Tausende auf die Straße gegangen. Wogegen die Menschen aber protestieren, hat unterschiedliche Gründe. Auch Verschwörungstheorien machen die Runde. Katharina Nocun ist Politikwissenschaftlerin und erklärt, warum Fakten nicht allen erreichen.    

Die Demonstrationen gegen die Corona-Einschränkungen haben Zulauf. Sie sollen eigentlich Bürgerinnen und Bürgern eine Plattform bieten, denen die Maßnahmen zu weit gehen. Die Ansammlungen werden aber mehr und mehr von anderen Gruppierungen instrumentalisiert - von Anhängern der AfD und Pegida, oder vor allem von Menschen, die die Pandemie leugnen.

Es gibt zu wenig Abgrenzung zu anderen Gruppierungen

"Bei vielen dieser Proteste mangelt es an Abgrenzung nach rechts und vor allem ins verschwörungsideologische Lager", sagt die Politikwissenschaftlerin Katharina Nocun im SWR. Sie rät jedem, der eine berechtigte Kritik an den Maßnahmen übe wie beispielsweise die langen Kita-Schließungen, eine eigene Protestkundgebung zu organisieren statt zu einem Sammelbecken zu gehen. "Dort weiß man manchmal nicht genau, wer eigentlich neben einem steht."

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Ob die Verschwörungstheoretiker die größte Gruppe bei den Protesten sind, kann man Nocun zufolge ohne wissenschaftliche Untersuchung nur schwer sagen.

Warum Fakten die Menschen nicht erreichen

Studien hätten gezeigt, dass Menschen in Situationen, in denen sie Kontrollverlust erlebten, dazu neigen, an Verschwörungsmythen zu glauben. "Das ist so eine Art Mechanismus unseres Gehirns, in eine Welt voll Chaos Struktur und Ordnung zu bringen." Bei den Verschwörungserzählungen gehe es meistens darum, dass irgendwelche bösen Mächte angeblich planten, das Land zu unterwandern.

 "Es hilft den Menschen in der Hinsicht, dass sie einen klaren Schuldigen haben und zumindest glauben, verstehen zu können, was gerade passiert."

Katharina Nocun, Politikwissenschaftlerin

Das führe leider dazu, dass Menschen glaubten, das Virus existiere nicht und das gefährde ihre Gesundheit und die von anderen.   

Grundsätzliche Abwehrhaltung gegen die Wissenschaft

Viele Verschwörungstheoretiker eint nach Angaben von Nocun, dass sie eine grundsätzliche Abwehrhaltung gegen wissenschaftliche Methoden haben. Dabei sei die Wissenschaft an und für sich einer der transparentesten Bereiche in unserer Gesellschaft, da bei Studien immer dargelegt werden müsse, wie beispielsweise Zahlen zustände kämen. "Das alles lässt sie kalt. Sie sagen ‚wir glauben Studien nicht', stattdessen aber an eine Verschwörung, die so ziemlich alle Bereiche des Lebens miteinschließt." Das sei gefährlich, weil sie sich von der Realität abkoppelten, so Nocun im SWR.

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