Die Omikron-Welle in Rheinland-Pfalz hat nach drei Wochen Präsenzunterricht vor allem Grundschüler getroffen, zeigt eine exklusive SWR-Datenanalyse. Lehrer sind seltener infiziert. (Foto: IMAGO, Belga)

Corona-Lage an Schulen

Omikron in RLP: Vor allem Grundschüler betroffen

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Die Omikron-Welle in Rheinland-Pfalz hat nach drei Wochen Präsenzunterricht vor allem Grundschüler getroffen, zeigt eine exklusive SWR-Datenanalyse. Lehrer sind seltener infiziert.

"Wir wollen keine flächendeckenden Schließungen von Schulen", beschwört der Landeselternsprecher in Rheinland-Pfalz, Reiner Schladweiler. Aber wie realistisch ist das, angesichts der stark steigenden Infektionszahlen im Land? Omikron ist schneller und dynamischer als alle anderen Wellen zuvor. Deshalb hat SWRdata exklusive Daten der Corona-Schulstatistik in Rheinland-Pfalz bis auf die Ebene der einzelnen Schulen ausgewertet.

Omikron-Welle auch in der Schule

Die Schüler-Infektionszahlen zeigen nach drei Wochen Unterricht eine klare Tendenz: Innerhalb kürzester Zeit wurde das Niveau von vor Weihnachten überschritten. Den SWR-Datenjournalisten lagen für die Analyse alle Infektionszahlen bis hinunter auf die Ebene der einzelnen Schulen vor. Dadurch sind erstmals Daten zu den verschiedenen Schularten öffentlich:

  • In den Grundschulen sind rund 2,3 Prozent aller Kinder aktuell mit dem Coronavirus infiziert,
  • gefolgt von Schularten mit mehreren Bildungsgängen mit 2,2 Prozent und
  • Integrierten Gesamtschulen mit 1,7 Prozent.
  • Gymnasiasten sind mit 1,4 Prozent wesentlich seltener betroffen.

Hoher Infektionsdruck auf Schüler - vor allem in den Städten

Dass diese Omikron-Welle in die Schulen schwappt, ist nicht zu verhindern, solange das Coronavirus in der Bevölkerung so stark grassiert. In der Epidemiologie wird das "Infektionsdruck" genannt. Allerdings ist der Druck unterschiedlich hoch. Während in Mainz, Kaiserslautern, Koblenz, Worms und Ludwigshafen mehr als 90 Prozent der Schulen aktive Infektionen bei Schülern meldeten, hatte etwa die Südwestpfalz bei fast der Hälfte aller Schulen (47,1%) im Kreis keinen infizierten Schüler zu verzeichnen.

Omikron trifft die Kinder mit voller Breitseite

Die Omikron-Welle lässt die Zahl der Infektionsfälle unter Kindern in Rheinland-Pfalz in bislang unbekannte Höhen schießen. In der Altersgruppe der Fünf- bis Vierzehnjährigen wurden innerhalb weniger Wochen fast drei Prozent aller Kinder infiziert. Im neuen Jahr hat deren Inzidenz zu Jahresbeginn den steilsten Verlauf genommen:

Ein Viertel der Schulen ohne infizierte Schüler

Die ausgewerteten Daten entsprechen nach SWR-Recherchen den werktäglich veröffentlichten Lage-Informationen der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) bis zum 21. Januar 2021. Sie gehen aber wesentlich tiefer als die veröffentlichten Daten. Denn SWRdata konnte für die Analyse auf die täglichen Angaben bis auf die Ebene jeder einzelnen Schule zurückgreifen. Dadurch zeigt sich ein differenzierteres Bild der Lage. Denn längst nicht alle Schulen haben hohe Infektionszahlen. Rund 66 Prozent der rheinland-pfälzischen Schulen haben fünf oder weniger aktive Fälle in der Schülerschaft gemeldet. Jede vierte Schule hat keinen aktuell infizierten Schüler und kommt damit derzeit relativ unbehelligt durch die fünfte Welle.

Flächendeckende Schulschließungen derzeit unnötig

Der Unterrichtsbetrieb kann nur dann aufrechterhalten werden, wenn nicht zu viele Lehrerinnen und Lehrer gleichzeitig ausfallen. Laut SWR-Datenanalyse ist das Risiko für flächendeckende Schulschließungen wegen Lehrermangels im Moment eher als sehr gering einzuschätzen. Zwar steigen landesweit die Zahlen von infizierten Lehrern. An vier von fünf Schulen fehlt gerade keine einzige Lehrkraft wegen einer Corona-Infektion. Auch von massenhaften Verdachtsfällen in der Lehrerschaft, zum Beispiel wegen angeordneter Quarantäne, ist der Großteil der Schulen im Land derzeit verschont:

Omikron: Lehrer seltener, Schüler häufiger infiziert als die Gesamtbevölkerung

Wie lange diese Situation angesichts der stark steigenden Infektionszahlen noch anhält, lässt sich nicht abschätzen. Vergleicht man allerdings die aktiven Infektionsfälle der rheinland-pfälzischen Gesamtbevölkerung mit denen von Lehrerinnen und Lehrern, zeigt die SWR-Datenanalyse, dass die Berufsgruppe der unterrichtenden Lehrer aktuell in der fünften Welle ein geringeres Infektionsniveau aufweist als die Gesamtbevölkerung. Lehrer sind also seltener infiziert. Schülerinnen und Schüler dagegen sind häufiger von Infektionen betroffen als die Gesamtbevölkerung.

Insgesamt zeigt sich zwar, dass die Entwicklung der Infiziertenzahlen in der Bevölkerung und an den Schulen im Gleichklang verlaufen. Aber trotz hoher Infektionszahlen ist der überwiegende Teil der Lehrerkollegien im Land aktuell coronafrei: 1.222 Schulen meldeten zuletzt keinen aktiven Infektionsfall, 368 Schulen haben infizierte Lehrkräfte. In Cochem-Zell waren landesweit die meisten Lehrerkollegien, nämlich an 93 Prozent aller Schulen, ohne Infizierten.

Grundschulen: Präsenzunterricht gesichert?

Trotz der besonderen Belastung der Grundschulen scheint der Unterricht für die jüngsten Schülerinnen und Schüler noch vergleichsweise gut gesichert. Die Infektionen und auch die Verdachtsfälle unter Lehrerinnen und Lehrern kommen in nur wenigen der rund 900 Grundschulen vor. Fast 97 Prozent aller Schulen haben keine oder eine einzige infizierte Lehrkraft. Ähnlich sind die Zahlen für quarantänebedingte Ausfälle, also Verdachtsfälle an den Grundschulen:

Lage an Grundschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und gemischten Schulformen

Die Daten, nach Schularten aufgeschlüsselt, geben Aufschluss darüber, wie häufig Infektionen unter Schülerinnen und Schülern an Schulen einer bestimmten Schulform vorkommen:

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