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Die Corona-Epidemie bereichert unsere Sprache, findet Stefan Giese – und bedankt sich bei den unfreiwilligen Poeten, die dafür sorgen, dass uns dieses fiese Virus ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Eins muss man Corona lassen: Unsere Sprache ist "dank" der Epidemie in kurzer Zeit ein ganz schönes Stück reicher geworden. Unzählige Begriffe und Formulierungen – neue oder bisher Fachkreisen vorbehaltene – sind in unseren Wortschatz eingewandert. Heute neu hinzugekommen: "chaotischer Glühwein-Tourismus". Diese Perle des Corona-Deutsch verdanken wir Andreas Stoch, SPD-Landeschef in Baden-Württemberg.  

Mit Glühwein, ohne Chaos: Weihnachtsmarkt vor Corona (Foto: Imago, imago images / Carmele/tmc-fotografie.de)
Mit Glühwein, ohne Chaos: Weihnachtsmarkt vor Corona Imago imago images / Carmele/tmc-fotografie.de

Er befürchtet, dass seine vorweihnachtlich gestimmten Zeitgenossen sämtliche Appelle, unnötige Begegnungen zu vermeiden und am besten sowieso zu Hause zu bleiben, in den Wind schlagen, und sich stattdessen auf den Weihnachtsmärkten rumtreiben. Auch gefällt ihm nicht, dass die Kommunen für sich entscheiden, ob ein Weihnachtsmarkt stattfinden darf und ob dort gegebenenfalls gar Alkohol ausgeschenkt wird. Landeseinheitliche Regeln müssten her, sonst drohe Chaos! 

Gut möglich, dass der Mann mit seiner Warnung vor dem "chaotischen Glühwein-Tourismus" Recht hat. Ganz sicher ist dagegen, dass seine Wortschöpfung in meiner persönlichen Top Ten der skurrilsten Corona-Formulierungen gelandet ist. Dort konkurriert sie etwa mit "Salami-Lockdown", "Balkonklatscher", "Zellstoff-Hamster" oder auch "Schniefscham". Einfach wunderbar! 

Unfreiwillige Poeten wie Herr Stoch sorgen so ganz nebenbei dafür, dass dieses fiese Virus auch mal ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Denn kein Humor ist auch keine (Corona-)Lösung.

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