Corona-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen: Eine stille "Durchseuchung" (Foto: IMAGO, CTK Photo)

Corona-Inzidenz bei Kindern

Coronavirus: So viele Kinder sind infiziert

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Johannes Schmid-Johannsen
Johannes Schmid-Johannsen (Foto: SWR)
Ulrich Lang
Ulrich Lang (Foto: SWR)
Nico Heiliger
Nico Heiliger (Foto: SWR)

Hier erfahren Sie, wie sich die Infektionszahlen und Krankenhausaufnahmen bei Kindern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz entwickeln.

Wie gefährdet Kinder durch eine Corona-Infektion sind, ist wissenschaftlich noch immer nicht geklärt. Es gibt Anzeichen dafür, dass eine nennenswerte Anzahl von Kindern Long-Covid, also eine lang anhaltende Variante entwickelt. Außerdem müssen immer wieder auch Kinder wegen einer akuten Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden. Gleichzeitig entwickeln die wenigsten Kinder akute Krankheitssymptome. Geklärt ist, dass Kinder sich mit dem Virus wie Erwachsene infizieren und dann auch ausreichend Viruslast entwickeln, um andere anzustecken.

Kinder-Inzidenz: So ist die Lage bei Ihnen:

Warum steigt die Inzidenz bei Kindern viel schneller an als bei Erwachsenen?
Lesen Sie dazu unsere Erklärung weiter unten im Artikel.↓

Corona-Infektionen bei Kindern und Erwachsenen im Vergleich

Für die vorliegenden Zahlen wertet SWRdata die tagesaktuellen Infektionszahlen des Robert Koch-Instituts aus. Zur Vereinfachung wurden aus den zur Verfügung stehenden tagesaktuellen Daten drei Altersgruppen gebildet:

  • Kinder im Alter bis 14 Jahre
  • Erwachsene und Jugendliche von 15 bis 59 Jahre
  • Ältere Menschen ab 60 Jahre

In wenigen Ausnahmefällen ist das Alter der registrierten Infizierten nicht bekannt.

Aus diesen Daten wurden folgende Informationen für Sie aufbereitet:

Corona-Lage in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in den Altersgruppen

Zahlen zu Krankenhauseinweisungen von Kindern finden Sie weiter unten im Artikel ↓

Sind Kinder häufiger betroffen?

Kinder werden insbesondere in den Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen sehr häufig getestet, um Ausbrüche zu verhindern und die Ausbreitung des Virus frühzeitig zu stoppen. Durch die hohe Testung kann es theoretisch zu einer überproportionalen Häufigkeit kommen, dass asymptomatisch infizierte, also äußerlich unauffällige Kinder erkannt werden. Die Auswertung zeigt, dass dies aktuell nur punktuell der Fall ist. In vielen Kreisen liegt der Anteil der Kinder an allen Neuinfektionen im erwartbaren Rahmen.

Erwartbar ist, dass Kinder Ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechend auch an den Infektionen beteiligt sind. Das Problem dabei: Sind viele Erwachsene infiziert, sind Kinder häufig auch betroffen. Das Bild zeigt, dass Kinder nicht ausreichend geschützt sind. Sie sind deshalb in der Hochinzidenzphase besonders betroffen. Durch die hohe Verbreitung des Virus in der Gesamtbevölkerung schreitet die Durchseuchung in dieser Altersgruppe schneller voran als in allen anderen.

Ist das Infektionsgeschehen bei Kindern dynamischer?

Unterschiedliche Teststrategien führen nicht unbedingt dazu, dass infizierte Kinder überrepräsentiert, also häufiger gefunden werden. Vielmehr können die Schultestungen die Möglichkeit der Nachverfolgung eröffnen. Ob dies gelingt, lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht ermitteln. Die hier gezeigte Analyse untersucht zumindest, ob sich die Infektionen unter Kindern dynamischer entwickeln, als in der Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen (hier "Erwachsene" genannt). Für diese Darstellung wird die prozentuale Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz zur Vorwoche für beide Altersgruppen verglichen.

Lesehilfe: Wenn der Wert in diesem Chart über Null ist, haben Infektionen unter Kindern eine höhere Dynamik als unter Erwachsenen, also die prozentuale Steigerung zur Vorwoche ist unter Kindern größer als unter Erwachsenen. Andersherum, wenn der Wert unter Null ist, steigen die Infektionen bei Erwachsenen stärker als bei Kindern:

Wie häufig kommen Kinder wegen Covid-19 ins Krankenhaus?

Krankenhauseinweisungen bei Kindern machen einen kleinen Teil der Covid-19-Hospitalisierungen in Deutschland aus. Dennoch sind sie nicht selten. Rund fünf Prozent aller Corona-Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind aktuell Kinder.

Kinder-Inzidenzen: Hohe Werte provozieren hohen Durchseuchungsgrad

In Baden-Württemberg sind 15,2 Prozent der Bevölkerung Kinder im Alter zwischen 0 und 14 Jahren, in Rheinland-Pfalz sind es 14,7. Kinder sind also eine verhältnismäßig kleine Bevölkerungsgruppe. Dies führt dazu, dass die Inzidenzwerte in einer Hochinzidenzphase sehr hohe Werte erreichen. Die rechnerischen Werte steigen nämlich viel schneller auf hohe drei- oder vierstellige Werte an, als man das von den Inzidenzen für die Gesamtbevölkerung bisher kennt. Ein Rechenbeispiel:

  • Für eine Inzidenz von 10 sind in der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg landesweit rund 1.000 registrierte Fälle nötig.
  • Unter Kindern wird die 10 bei rund 150 registrierten Fällen innerhalb einer Woche erreicht.

Anhand der Zahlen in Landkreisen wird es noch deutlicher, wie stark niedrige absolute Fallzahlen hohe relative Inzidenzwerte erzeugen können:

  • Im rheinland-pfälzischen Landkreis Birkenfeld etwa wird bei 22 neuregistrierten Fällen unter Kindern eine Inzidenz in dieser Altersgruppe von über 200 erreicht. 33 Fälle führten bereits zu einer Kinder-Inzidenz von 300.

Jeder einzelne Fall wiegt also in der Inzidenzberechnung für Kinder rund sechseinhalb mal mehr als bei derselben Berechnung für die Gesamtbevölkerung. Mathematisch ist das logisch, weil es um die Darstellung einer relativen Ausbreitung geht. Umso wichtiger sind aber die absoluten Werte, weil die meisten Kreise in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz innerhalb einer Woche eher zweistellige Fallzahlen vermelden.
Bei Kindern steigt die Inzidenz also auch durch einzelne Fälle schneller auf höhere Werte an, als man es von Landkreiswerten bezogen auf die Gesamtbevölkerung kennt.

Trends wichtiger als die Inzidenzzahl des Tages

Die Inzidenz von Kindern ist daher nicht mit den uns geläufigen Inzidenz-Grenzwerten von 50 oder 100 zu bemessen. Zur Erinnerung: Die Grenzwerte wurden politisch festgelegt, um einer Überlastung der Gesundheitsämter bei der Fallbearbeitung vorzubeugen, und sagen nur bedingt etwas über die Gefährdungslage der Bevölkerung oder gar der Kinder aus. Dafür sind Zahlen zu Ausbrüchen etwa in Schulen aussagekräftiger. Ungeachtet dessen lassen sich anhand der Infektionszahlen aber wichtige Trends zur Entwicklung der Infektionen in den verschiedenen Altersgruppen ablesen. Steigen diese an und bleiben sie dauerhaft hoch, ist dies ein Alarmsignal. Denn dann schreitet die Durchseuchung schneller voran als in der Gesamtbevölkerung. In einem Landkreis, in dem die Inzidenz unter Kindern dauerhaft über 1.000 ist, infizieren sich pro Woche mehr als ein Prozent der Kinder. Nach dieser vierten Welle dürften sich - Dunkelziffer eingerechnet und je nach regionaler Ausprägung - also sehr viele Kinder mit dem Coronavirus infiziert haben.

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Korrektur-Hinweis: In einer vorherigen Version dieses Artikels hatten wir die Inzidenzwerte von Kindern mit denen von Erwachsenen direkt rechnerisch verglichen. Da dies zu Missverständnissen führen kann, haben wir die Passage abgeändert. Um das Ausmaß von Infektionen bei Kindern zu zeigen, verweisen wir ausdrücklich auf die Hospitalisierungen und die absoluten Fallzahlen, die wir hier differenziert ausweisen.

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